In Freiberg, der alten sächsischen Silberstadt an den Ausläufern des Erzgebirges, hat er die meiste Zeit seines Lebens verbracht. Sein Haus ist noch da und in der Substanz unverändert: ein viergeschossiges Patrizierhaus mit einem schön geschwungenen Renaissancegiebel an der östlichen Seite des Obermarktes.

1690 hat Hans Carl von Carlowitz das Haus gekauft. Er besaß noch ein weiteres Grundstück in der Stadt, außerdem das Rittergut Arnsdorf bei Mittweida, eine Glashütte bei Voigtsdorf, ein Waldrevier im Vogtland und nicht zuletzt einen fürstlich dotierten Posten: Der Edle von Carlowitz war 1677, mit 32 Jahren, zum sächsischen Vizeberghauptmann ernannt worden. 1711 stieg er zum Oberberghauptmann auf, war somit in den letzten Jahren seines Lebens - er starb 1714 - einer der einflussreichsten Männer im Staate August des Starken.

Seinen täglichen Weg von der Wohnung zum Dienstsitz durch die Burgstraße kann man heute noch nachgehen und unterwegs das Fluidum der "hochbeglückten Silberstadt" atmen. Die Burgstraße vom Rathaus hinunter zum Schloss war die Mittelachse der alten Stadt. Unten, am Schlossplatz, hatte 1711 ein junger Existenzgründer seine Werkstatt eröffnet: Aus erzgebirgischen Fichten- und Tannenhölzern und Altenberger Zinn baute Gottfried Silbermann seine berühmten Orgeln, Instrumente für die Seelenmusik zeitgenössischer "Compositeurs" wie Johann Pachelbel oder Johann Sebastian Bach. An der Silbermann-Werkstatt kam Hans Carl von Carlowitz tagtäglich vorbei. Hier bog er in die Kirchgasse ein, eine gekrümmte, bucklige Straße, die hinter dem Dom auf den Untermarkt mündet.

In dieser Gasse befindet sich heute wie damals das Gebäude des sächsischen Oberbergamts. Zu seiner Zeit wurde von hier aus eines der wichtigsten europäischen Montanreviere mit zahlreichen Erzbergwerken und Schmelzhütten und etwa 10 000 Bergknappen geleitet. Von hier aus beaufsichtigte die Behörde auch - mit großer Skepsis - die Suche des Goldmachers Johann Friedrich Böttger nach dem "Stein der Weisen". Durch ein Rundbogenportal betritt man das Sterngewölbe im Erdgeschoss. Hier hatte Carlowitz seine Kanzlei. Und in diesen ehrwürdigen Gewölben hat er auch ein Wort geprägt, das heute, fast 300 Jahre später, an der Schwelle zum neuen Millennium weltweit zu einem Schlüsselbegriff geworden ist: Nachhaltigkeit.

Ein Jahr vor seinem Tod veröffentlichte Carlowitz in einem dickleibigen Folioband seine Sylvicultura Oeconomica. Die Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht - so lautet der Untertitel - gilt als das erste forstwissenschaftliche Werk. Es kreist um die Idee und den Begriff der Nachhaltigkeit. Auf den Markt kam das Buch zur Leipziger Ostermesse des Jahres 1713, diesselbe übrigens, auf der auch die Meißner Manufaktur das erste weiße und durchsichtige, das Böttger-Porzellan präsentierte.

Der schnelle Profit zerstört den Wohlstand

Sustainable development - nachhaltige Entwicklung. Das neue Design des alten Konzepts entstand angesichts der akuten Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. In Rio, während des "Erdgipfels" der Uno 1992, kam es auf die Weltbühne. Die Agenda 21, das damals von 180 Staaten verabschiedete Aktionsprogramm, machte es zum Leitbild. Seitdem wird es auf unzähligen Konferenzen, in Denkfabriken, an runden Tischen von Nichtregierungsorganisationen elaboriert und operationalisiert.