Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist die Zentralbank der deutschen Kultur. So könnte man es heutzutage sagen, nachdem bei den morgendlichen Nachrichten ja neben Andacht und Wetterbericht auch die Börsenkurse intoniert werden. Im Jahr 1957 wurde die Stiftung in Berlin (West) als föderale Institution gegründet, um die Kunst-und Kulturschätze des abgeschafften Preußen aufzufangen. Mit dem Fall der Mauer wurde, wie der ehemalige Präsident Knopp sagte, "aus einem Stolperstein der Politik zwischen den beiden Staaten" einer der "wichtigsten Testfälle der Wiedervereinigung."

Der Glanz, die Macht, der Wert der Stiftung: das sind die 17 Sammlungen, deren Stammburg die Museumsinsel ist. Ein "geistiges Weltgebäude" und eine "Kulturschöpfung ersten Ranges" hatte Ludwig Justi, der von den Nationalsozialisten entlassene Direktor der Nationalgalerie, die Museumsinsel genannt. Jetzt wurde sie von der Unesco in die Liste des zu schützenden Weltkulturerbes aufgenommen.

"Der rasche Wiederaufbau der Museumsinsel ist eine Aufgabe, der wir uns gerne stellen", konnte Bundeskanzler Schröder vor zwei Monaten sagen, so, als wären wir im Jahr 1989. Denn die großen Berliner Museumsereignisse der letzten zehn Jahre fanden alle im Westen statt: die Eröffnung des Hamburger Bahnhofs als Ort der zeitgenössischen Kunst, die Installierung der Sammlung Berggruen im Charlottenburger Stüler-Pavillon, die Eröffnung der Gemäldegalerie am Kulturforum. Im Osten kaum Neues.

Als Peter-Klaus Schuster, seit August diesen Jahres Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, sein Amt antrat, sagte er in einem Interview, es sei für ihn entscheidend, "dass über die Neuordnung der Museen noch einmal nachgedacht" werden müsse. Die nach der Wende beschlossene Altordnung hatte die Museumsinsel als Ort für die archäologischen Sammlungen, das Kulturforum als Ort der europäischen, Dahlem als Zentrum der aussereuropäischen Sammlungen bestimmt. Eine Einteilung, die sich zwar von den bereits vorhandenen Bauplänen der Stiftung her als empirische Lösung empfahl. Die aber den Geist der Entstehungsgeschichte und damit auch die Idee der Nutzung der auf der Insel vereinten Museen als Schatzhäuser für Laien und Forscher zugleich ignorierte. Über die Neuordnung und "das einzigartige Ensemble der Museumsbauten" (Unesco) darf und muss noch einmal nachgedacht werden.

die zeit: Herr Schuster, auf dem Weg zu Ihnen habe ich den kleinen Umweg über das Kulturforum genommen. Ich war im Kunstgewerbemuseum, wo ungefähr so viele Bewacher anwesend waren wie Besucher. In der Gemäldegalerie habe ich ein paar Studenten und ein Grüppchen Amerikaner gesehen. Nun gibt es zwar für mich nichts Schöneres als ein fast leeres Museum. Aber Sie muss die Tatsache, dass eine der großen Gemäldesammlungen der Welt kaum Besucher hat, doch in Depressionen stürzen.

Peter-Klaus Schuster: Mit Ihrer Beobachtung kann ich ganz vieles hinterfragen. Zum Beispiel die Bildungsgesellschaft dieser Stadt. Gibt es diese überhaupt noch? Ich kann ganz ins Breite kommen. Ich kann aber auch ganz nahsichtig fragen, ob wir genug im Museumsmanagement leisten.

Es ist eine Berliner Eigentümlichkeit, dass man drei Museumsquartiere hat: die Museumsinsel, das Kulturforum, Dahlem. Wir wissen ja, warum wir das Kulturforum haben, es ist ein Produkt der Teilung Berlins und der Welt, und wir wissen auch, was das Kulturforum mit dem Bau dieser großartigen Gemäldegalerie als einem Gehäuse, in dem die Bilder gut zur Erscheinung kommen, gewonnen hat. Wir wissen andererseits, dass alles sehr viel mehr wahrgenommen werden könnte. Aber zu diesen übergreifenden Überlegungen gehört auch die Tatsache, dass alles, was wir auf der Museumsinsel tun, absolute Priorität hat. Man erwartet jetzt von uns nicht ein kritisches Räsonieren über das Kulturforum. Jetzt wollen alle, Sie auch, dass sich in Berlin Mitte etwas tut. Und zwar innerhalb der nächsten zehn Jahre. Auch die Träger der Stiftung, auch Herr Schröder, der es Anfang Oktober beim Richtfest der Alten Nationalgalerie expressis verbis gesagt hat. Wir alle wollen, dass die Museumsinsel, dass dieses Wunder eines Museumsensembles nicht mehr so aussieht wie Rom in Trümmern.