Mitarbeiterin der Woche

Die Show ist ihr Element. Als ihr Allensbacher Meinungsforschungsinstitut 1997 50 wurde und sie selber 80. Geburtstag feierte, erschien Elisabeth Noelle-Neumann in einem eleganten schwarzen Hosenanzug auf der Bonner Bühne.

Aus dem Stehkragenhabit blitzte, passend zur weißen Kurzhaarfrisur, ein blütenweißer Kollar. Eine schwere lange Goldkette rundete das Bild ab und blieb so in der Erinnerung hängen: jeder Zoll Päpstin Elisabeth.

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In der ersten Reihe saß damals Helmut Kohl, einer der größten Nutznießer ihrer Kunst, dem Volk, diesem labilen Beobachtungsobjekt, die richtigen Fragen zu stellen. An diesem Abend konnte sogar er gönnen und räumte freiwillig ein, dass er eine Menge von der Noelle gelernt habe. Das war das Mindeste, was er sagen musste. Solange es währte, hat sie seinen Machtwillen erstklassig bedient. So wichtig war ihm ihr Rat, dass er sie sogar in seine Wahlkampfmannschaft holte.

Aber auf eine Frage wusste auch Kohl keine ehrliche Antwort: War die Meinungsforscherin aus Allensbach Seismograf der Volksmeinung oder Kompass?

Mehr als die Zahlen haben die Noelle die Interpretationen interessiert, die die Umfrageergebnisse hergeben. Der CDU tat es immer gut, wenn sie auf die Chefin von Allensbach hörte. Aber manche ihrer Erkenntnisse sahen auch nach gewöhnlicher Wahlkampfmunition aus.

Mit ihren Theorien über den Wertewandel in der Gesellschaft, die den Konservativen Wasser auf die Mühlen lenken, fängt sie sich viel Kritik ein.

Ihre Neigung, Forschung mit Gesellschaftskritik zu verbinden und das Beweisbare mit dem Nichtmessbaren zu verknüpfen, hat ihre Gegner schon zur Weißglut getrieben. Die Intuition, mit der sie kommende Themen und Trendwenden vorausahnt, wird dabei von ihnen immer unterschätzt. Aber gerade dieses Talent macht sie als Pythia der Politiker so wertvoll.

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