Schon immer spukten Hexen und Dämonen am liebsten dort, wo sie unserer Fantasie am gefährlichsten werden können, im Kino. In diesen Tagen suchen sie die Filmtheater besonders heftig heim. Denn am Ende des Jahrtausends schickt uns Hollywood ganz besonders viele Ungeheuer aus dem Jenseits, um uns Angst einzujagen. Und natürlich können uns irdische Gewalten nicht helfen, auch nicht die Polizei - das schaffen lediglich eine Handvoll Hollywood-Stars.

So kommt es, dass Arnold Schwarzenegger in dem Film End of Days gegen den Teufel kämpft und Johnny Depp in Die neun Pforten verhindert, dass sich die Tore der Hölle öffnen. Jetzt tritt auch noch der Krawallbube Bruce Willis gegen das Übersinnliche an: In The Sixth Sense rettet er als Psychiater einen kleinen Jungen vor der MACHT untoter SEELEN

der Film kommt diese Woche in die Kinos. Zwei Wochen später muss dann noch Patricia Arquette in Stigmata an Händen und Füßen bluten und sich mit der Kraft des GEBETS vor dem Bösen retten.

Vielleicht ist es nur ein unheimlicher Zufall, dass das Jenseits ausgerechnet jetzt Einzug ins Kino hält. Das behauptet zumindest Roman Polanski, der als Regisseur von Die neun Pforten nun zu dem Genre zurückkehrt, in dem er mit dem Klassiker Rosemary's Baby Ruhm erlangte. Ich glaube nicht an das Übernatürliche, sagt er. Es ist einfach nur ein guter Stoff für Filme. Das meint auch M. Night Shyamalan, der 29-jährige Autor und Regisseur von The Sixth Sense. Sein Film war nach dem Hexenschocker Blair Witch Project in den USA in diesem Jahr der zweite Kassenknüller, mit dem niemand gerechnet hatte.

Im Horror findet der Zuschauer Spiritualität

Kann es wirklich Zufall sein, dass ausgerechnet jetzt die Angst vor dem Unheimlichen umgeht? Filmhistoriker glauben das nicht so ganz, sie haben eine andere Erklärung parat. Die Wurzel für den Erfolg dieser Horrorfilme liegt auch in der Angst vor dem Millennium, sagt der New Yorker Filmprofessor Robert Sklar. Vielen Menschen ist die Welt unheimlich, und sie fürchten sich vor dem, was im Jahr 2000 auf sie zukommt. Filme sind perfekte Projektionsflächen für diese Ängste.

Wenn die Leinwand nur dunkel genug ist, das wusste schon Val Lewton, Produzent des Horrorklassikers Katzenmenschen, wird das geistige Auge alles darin sehen, was es fürchtet. So kann die Hexe in Blair Witch Project nur gedeutet werden als Symbol für die Zwänge und diffusen Bedrohungen einer digitalisierten Welt, obwohl sie nie im Bild zu sehen ist, sondern nur als Schatten, als Geräusch am Rande der Wahrnehmung.