Ernüchtert

Bis vor wenigen Tagen schienen Amerikas Online-Händler noch unter dem persönlichen Schutz des Weihnachtsmanns zu stehen. Wochenlang führte Santa Claus im Werbefernsehen vor, wie viel einfacher es ist, die guten Gaben via Internet zu bestellen, als sie im Rentierschlitten persönlich auszutragen.

Mit Erfolg: Mit einem Weihnachtsumsatz von über zehn Milliarden Dollar erzielten die virtuellen Einzelhändler einen Umsatzrekord. Doch kurz nach dem Fest - so zeigt eine Umfrage des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Business Week, stellt sich in der dynamischen Branche Ernüchterung ein. Erste Händler hätten ihre Portale bereits schließen müssen, 50 bis 100 weitere Firmen würden der Konsolidierung noch zum Opfer fallen, so Business Week. Auch die Börse reagierte prompt: Die E-Commerce-Aktien, die im Dezember noch der Renner waren, fielen im neuen Jahr (Stichtag 5. Januar) um durchschnittlich 35 Prozent. Selbst der Online-Buchladen Amazon blieb nicht verschont: Nachdem sich herausstellte, dass die Umsätze im vierten Quartal 1999 hinter den euphorischen Erwartungen der Analysten zurückbleiben, fiel die Notierung des wohl bekanntesten Web-Händlers um 15 Prozent. Und das, obwohl Amazon sein Werbebudget verdreifacht hatte. Werbung, so die Botschaft der Umfrage, nützt kurzfristig sowieso nur wenig. Auch beim Online-Shoppen erweisen sich die Kunden als markentreu und vertrauen häufig auf Marken, die sie schon vom traditionellen Schaufensterbummel her kennen.

Anzeige
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle DIE ZEIT, 03/2000
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Umfrage | USA | Börse | Fest | Werbung | Umsatz | Botschaft
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service