Die Eheleute Ingrid und Karl Ehlerding sind spendable Menschen und Gönner der CDU. Karl Ehlerding zählt zu den "Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft, deren Bekanntheitsgrad in krassem Gegensatz zu ihrem Erfolg steht", wie einmal ein Festredner der Stadt Bremerhaven formulierte, als er beiden für Verdienste, von denen noch zu sprechen sein wird, die Ehrenbürgerwürde verlieh.

Dass die öffentlichkeitsscheuen Hamburger Milliardäre nun ins Rampenlicht gerückt sind, liegt an ihrer massiven Unterstützung der CDU, der sie in den vergangenen zwei Jahren 5,9 Millionen Mark gespendet haben - weit mehr als jeder andere Gönner der Konservativen -, und an einem Verdacht, den nicht nur die Grünen, der Mieterbund und die Eisenbahnergewerkschaft hegen: dass sich Ehlerdings durch ihre Großzügigkeit gegenüber der CDU einen wirtschaftlichen Vorteil erkauft haben könnten. Denn die Familie ist mit 66,7 Prozent Mehrheitsaktionär der Hamburger WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG. Und die hat als Mitglied eines deutschen Bieterkonsortiums am 23. Juni 1998 vom damaligen Bundesverkehrsminister und heutigen Schatzmeister der CDU, Matthias Wissmann, den Zuschlag für den Kauf von 31 000 Eisenbahnerwohnungen erhalten - weit unter Marktpreis. Ein Milliardengeschäft (ZEIT Nr. 51/99). Spielten Spenden dabei eine Rolle?

Die CDU dementiert, und auf Nachfragen antwortet sie namentlich mit zwei Argumenten: Erstens seien die Spenden ordnungsgemäß im Rechenschaftsbericht 1998 ausgewiesen worden. Zweitens sei die Höhe nicht ungewöhnlich, da das Ehepaar Ehlerding bekannt sei für sein vielfältiges und großzügiges Engagement.

Doch der neue Rechenschaftsbericht der Union nährt Zweifel daran, ob die Millionenspende korrekt ausgewiesen worden ist. Als die Christdemokraten aufgrund der Enthüllungen der vergangenen Wochen ihre Rechenschaftsberichte für die letzten Jahre neu formulieren mussten, änderten sie auch die Angaben über die Spenden der Ehlerdings. Statt, wie ursprünglich angegeben, 1 224 637,50 Mark hat Ingrid Ehlerding nach der neuen Version 1998 nur noch 959 900 Mark an die CDU gespendet. Demgegenüber hat sich die Spende ihres Mannes von 2 124 637,50 Mark auf 2 389 375 Mark erhöht. Insgesamt ergibt das genau dieselbe Summe. Warum diese nachträglichen Korrekturen? Die Angaben im Rechenschaftsbericht seien auf Wunsch der Ehlerdings geändert worden, lässt die CDU-Pressestelle nun wissen. Eine kuriose Erklärung. Für Spender ist nur die entsprechende Spendenquittung maßgeblich - und die wurde, so jedenfalls die CDU, von den Ehlerdings nicht beanstandet.

Diese Korrektur des Zahlenwerkes wurde in der Neufassung des Rechenschaftsberichts nicht ausdrücklich gekennzeichnet, während andere unter der Überschrift "Veränderung der Rechenschaftsberichte 1997 und 1998" sorgsam aufgelistet sind. Die Rechtfertigung: "Einer Erläuterung dieser Änderung ...

bedarf es insoweit nicht, da der am 29. September 1999 eingereichte Rechenschaftsbericht für 1998 seitens der Bundestagsverwaltung noch nicht veröffentlicht" war. Warum aber wurden dann andere Änderungen kenntlich gemacht?

Nicht nur darüber, wer wie viel gespendet hat, herrscht inzwischen offenbar bei Spendern wie Empfängern Verwirrung, sondern auch darüber, wann. Er habe "am 9. 9. 1998" an den Landesverband Mecklenburg-Vorpommern 900 000 Mark gespendet, hat Karl Ehlerding gegenüber der ZEIT schriftlich erklärt.