Der amerikanische Komiker Andy Kaufman ist 1984 an Krebs gestorben, da war er 35 Jahre alt. Aber ist er wirklich gestorben? Zu Lebzeiten hat er das Publikum so nachhaltig mit der Grenzenlosigkeit seiner Rollenspiele verwirrt, dass es ihm zum Schluss nicht einmal mehr das Siechtum abnahm. In Milos Formans Man on the Moon zweifelt zunächst auch der Filmzuschauer. Dann aber trägt Kaufman-Darsteller Jim Carrey eine Glatze und muss im Rollstuhl sitzen - der Fall ist also klar. Als todkrankes Wrack klammert sich Kaufman an eine letzte Chance. Er besucht einen philippinischen Wunderheiler, der seinen Patienten vermeintlich ohne Operation und Narkose das kranke Gewebe einfach aus dem Leib holt. Kaufman sieht dem Doc erst wie verzaubert von weitem zu.

Doch als er selbst an der Reihe ist, merkt er den Trick: Das angeblich entnommene Fleisch liegt schon vorher in des Heilers hohler Hand. Kaufman lächelt, während seine Hoffnung stirbt, über die Ironie des Schicksals.

Dieses eine Mal wollte er, der listenreiche Komiker, sich selbst überlisten lassen, aber jetzt wirft ihn der große Durchblick zurück auf die eigene Todesangst. Das Make-Believe, das Glauben-Machen, misslingt dem, der zu viel weiß.

Das Make-Believe gehört zum Wesen des Kinos. Der Zuschauer genießt den Nachvollzug einer Illusion. Seine Glaubensbereitschaft hängt allerdings stark von der Glaubwürdigkeit der Illusion ab, und da sind die Ansprüche über die Jahre doch erheblich gestiegen. Sie steigen nochmals, wenn das Angebot drastisch erhöht wird. Das ist auf Filmfestivals der Fall. Je häufiger man vor der Leinwand Platz nimmt, desto eher wird aus dem Anblick eines Films zugleich ein Durchblick auf dessen erzählerische und ästhetische Strategie.

Das hilft beim Urteil, und ist trotzdem eine zweischneidige Angelegenheit, wie das Beispiel Andy Kaufman zeigt.

Milos Forman ist nicht allzu weit auf seine Hauptfigur zugegangen, das gehört zu den Stärken seines Films. Der "wahre" Andy Kaufman kommt hinter allen Masken und komischen Charakteren nie wirklich zum Vorschein. Forman beobachtet, wie Kaufman mit seiner Mischung aus Naivität und Durchtriebenheit immer aufs Neue das Publikum vor den Kopf stößt. Diese Irritation will er bewahren und an die eigenen Zuschauer weitergeben. Statt eine wahrhaftige Lebensgeschichte zu zeigen, handelt Man on the Moon vom fortgesetzten Versuch des Zuschauers, der Hauptfigur aus ihren diversen Auftritten eine haltbare Identität zu stricken - vergeblich. Ob es einen Andy Kaufman jenseits seiner Rollen gab (oder überhaupt geben muss), bleibt offen.

Stelle dich der Vergangenheit, und du wirst Frieden finden