Das ist ja praktisch genauso wie beim Fußball. Warm muss der Körper sein, sonst verletzt man sich. Ach, ist das schön, wenn man einen warmen Hintern hat! Wenn die Stöße, die von der Fahrbahn kommen, auf einen kalten Hintern treffen, reicht der sie gleich weiter zum Kreuz, und dann ist man bald die längste Zeit Busfahrer gewesen. Rudi hatte vor 17 Jahren seine Bandscheibenoperation, seitdem besteht er auf Komfortsitz mit Heizung. Wenn ein Bus, ausgestattet mit Küche, Video, einer Stereoanlage für Motivationsmusik und Doppelverglasung gegen Bierdosen, wenn der eine Million kostet, darf auch für den Fahrer ein bisschen Luxus abfallen.

Wo wir gerade bei den Millionen sind: Voriges Jahr fuhr Rudi noch etwa 85 Millionen durch die Gegend, heuer sind's schon, schätzt er, 140 Millionen. Wo doch neulich in der Zeitung stand, dass Oliver Kahn allein mittlerweile 90 Millionen kostet. Herrschaftszeiten, da hat sich einiges getan in den 22 Jahren, die Rudi Egerer den Mannschaftsbus des FC Bayern München steuert!

Rudi ist 68, na und? Immer noch auf Achse. Sein Bus steht bereits in Moskau, Bremen oder Amsterdam, wenn die Jungs in München in den Flieger steigen. Und wenn die Jungs nach getaner Tat in den Armen der Liebsten schlummern, schmuggelt sich Rudi mittels Dollars und Autogrammfußbällen am Endlosstau von Brest vorbei nach Polen rein. Daheim in 82269 Kaltenberg muss der Mercedes mit der Opel-Reklame gewaschen und gewartet werden, und alle naslang kommen neue Reifen drauf, andere würden mit den alten noch 60 000 Kilometer fahren, wo ich die runtertue.

Sein Bus darf ja nicht liegen bleiben, die Häme der Presse, nicht auszudenken. Und schon ist er wieder weg, der Egerer-Rudi, unterwegs Richtung Dreimillionenkilometermarke.

Mit 18 hat er den Lappen gemacht, war 25 Jahre Fernfahrer, dann übernahm er das Clublokal des FC Bayern an der Säbener Straße. Aber das war für seine Frau doch zu viel Stress. Da traf es sich gut, dass man damals gerade jemanden suchte für den Vereins-Magirus. Also wurde Rudi Busfahrer. Und baute sich nebenbei einen eigenen Betrieb auf. Heute besteht die Belegschaft aus seiner Frau, den drei Töchtern sowie acht Fahrern. Die sechs Busse rollen überwiegend in Diensten des Vereins, kutschieren neben der Millionentruppe auch das Jungvolk durch die Welt. Eben alles, was sich bewegt beim FC Bayern.

Doch was heißt schon Busfahrer?! Jugendherbergsvater wäre zutreffender oder noch besser, findet jedenfalls Rudi, Mutter der Kompanie. Wer räumt denn vor jedem Spiel die Kabinen ein? Legt während der Fahrt die psychologisch wichtige Musik auf? Kocht die Nudeln, reicht in der Halbzeit Erfrischungsgetränke? Und vergisst trotzdem nicht die eigentliche Bestimmung - den pünktlichen Transport.

Und den garantiert Rudi für den Trip nach Unterhaching ebenso wie für die 2500 Kilometer nach Madrid, wo es kommenden Dienstag in der Champions-League gegen Real geht. Rudi fährt Samstagabend los, 24 Stunden später steht der Vereinsbus in Madrid. Ungeliebtes Pflaster übrigens für Rudi Egerer - ähnlich wie in Paris und Rom fliegen hier nicht nur Bierbecher durch die Luft Richtung Bus, sondern auch veritable Pflastersteine. Gefährlich, der Job?