Sagt ADS-Kind zu mirSeite 3/3

Eine Tatsache ist mit ADS jedenfalls in der Welt: Die Nachfrage der Erschöpften, die sich nicht länger selbst für ihre Nöte bezichtigen wollen, gilt nicht der wohlfeilen Empfehlung, im Freien zu spielen, sondern dem Arzt. Die Überweisung der Hilfesuchenden in eine Praxis für sensomotorische Übungen wäre also der Entspannung dienlicher als der Tipp, im nächsten Brachland toben zu gehen. Das ist die neue Natur der Dinge. Und was rät unser Buch? Für alle, die ADS als Tatsache akzeptieren, erhebt es das Nächstliegende zum pädagogischen Programm und beauftragt damit ein wachsames Team, das aus den Eltern, Lehrern, Ärzten und dem Kind selbst bestehen soll: Liebe, Zuwendung und Wertschätzung braucht ein Kind, körperliche Nähe nicht zu vergessen. Die Begabungen eines Kindes möge man erkennen und unterstützen. Feste, durchschaubare Regeln möge man etablieren und vor allem einhalten, ein ruhiges Umfeld und einen strukturierten Tagesablauf schaffen. Und eine medikamentöse Behandlung empfiehlt das Buch nur für schwierigen Fälle.

Wer von behandelnden Psychologen hört, dass viele Kinder weder regelmäßige Mahlzeiten bekommen noch eine ruhige Ecke zum Spielen, noch hinreichend Schlaf finden können, der wird über solche Ratschläge nicht spotten. Nur lässt einen eben das Misstrauen gegenüber dem Furor der Normierung nicht los, weil beispielsweise im Deutschen Ärzteblatt zu lesen ist, erwachsene ADS-Kranke neigten zu oppositionell-aggressivem Verhalten, zeichneten sich auch durch häufigen Verlust des Arbeitsplatzes aus und seien nicht geneigt, sich unterzuordnen. ADS: Da hat man was fürs Leben.

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Aust-Claus/P.-M. Hammer:Das ADS-Buch. Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe und Träumer; Verlag Oberstebrink, Ratingen 1999; 317 S., 38,- DM

 
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