An den Trockenstrand!
Immer Meerblick muss nicht sein. Wohin Senioren mit ihren Enkeln diesen Sommer in Ostfriesland fahren
Wasser ist einerseits das Topsouvenir jener Touristen, die auf der Krummhörn in Ostfriesland Ferien am Meer verbringen. Sie füllen es aus der Leitung in leere Getränkeflaschen und nehmen es mit nach Hause, zum Beispiel ins Ruhrgebiet, wo sie sich dann noch ein paar Tage lang jenen unvergleichlichen Tee zubereiten können, bei dem das Lösungsmittel wichtiger sein soll als die aufzubrühenden Blätter.
Wasser ist andererseits schuld daran, dass viele Urlauber gar nicht erst auf die Krummhörn fahren. Denn die Nordsee, getrieben von Ebbe und Flut, umspült dieses Holland zugewandte Ende Ostfrieslands so ungünstig, dass kein Sand sich am Ufer hält, dass es also auch keinen Strand gibt, bloß Watt mit einer Tendenz ins Schlickige.
Die rührigen Führungskräfte der Krummhörn, einer Sammelgemeinde aus 18 Bauerndörfchen und dem Fischerort Greetsiel, haben in der Vergangenheit an der Badestelle Upleward Sand aufspülen lassen. Sie konnten zusehen, wie der Sand wieder verschwand, und mussten einsehen, dass die Gezeiten den Ostfriesen überlegen sind.
Bis zum Herbst 1998 war dies der Stand der Dinge in Upleward. Dann, so will es die Legende, standen zwei Männer auf dem Deich und dachten: Wir müssen jetzt was tun. Sie ließen ihr Denken die Richtung ändern: Wenn ein Strand sich vor dem Deich nicht machen lässt, hinter dem Deich doch bestimmt!
Die beiden Männer waren Robert Sandker, der Campingplatzbesitzer von Upleward, und Ludger Kalkhoff, Geschäftsführer der Touristik-GmbH Krummhörn Greetsiel. Letzterer erinnert sich noch heute an die Schweißperlen auf seiner Stirn, als er Bürgermeister Udo Reemtsma das Ansinnen vortrug: So groß sei die Angst gewesen, dass der ihn für durchgeknallt hielt.
Der Herr Reemtsma soll aber auch gesagt haben: Superidee. Propagieren!
Und so wurde, ohne dass die üblichen Gremien sich mit der Sache groß befasst hätten, von einem Landschaftsarchitekturbüro ein Plan gezeichnet: das Meer, die Badestelle, der Deich und der Strand dahinter - mit Strandkörben, Beachvolleyballfeld, Kinderspielplatz und einem Aussichtsturm, von dem aus die Strandurlauber über den Deich hinweg das Meer sehen können. Wenn sie wollen.
- Datum 16.03.2000 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12/2000
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