Viel Geld für Öl

Wenn sich die Opec nächste Woche gegen eine Preissenkung entscheidet, ist die Weltkonjunktur in Gefahr

Wie dramatisch sich das Bild gewandelt hat. In den neunziger Jahren nahm kaum noch jemand außerhalb der Ölindustrie Notiz von der Opec. Ihre Treffen waren belanglose Randereignisse im ökonomischen Weltkalender. Doch inzwischen wird der Ölpreis wieder heiß diskutiert, und zwar längst nicht mehr nur von erbosten Autofahrern, die über die hohen Benzinkosten fluchen, oder von kleineren Fluggesellschaften, die um ihr Überleben fürchten.

Ob Zentralbanker, Unternehmer oder Regierungsvertreter, sie alle schauen mit spürbarer Sorge auf die Zusammenkunft der elf Opec-Staaten am 27. März in Wien. Dort will das Ölkartell entscheiden, wie weit es den Ölhahn wieder aufdrehen soll, nachdem es in den vergangenen 15 Monaten der Welt durch eine konzertierte Drosselung der Produktion einen Preisschock bescherte. Von Januar 1999 bis heute ist der Preis für ein Fass Rohöl von 10 auf bis zu 32 Dollar hochgeschnellt. Das ist laut dem Center for Global Energy Studies die zweithöchste Steigerung seit 1973 (siehe Statistik).

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Als die Opec, unterstützt von Nichtmitgliedern wie Norwegen, im Januar 1999 den Beschluss fasste, die Produktion zurückzufahren, wurde dies im Westen weithin als bedeutungslos abgetan. Das britische Wirtschaftsmagazin The Economist sagte gar kühn voraus, der Fasspreis werde auf fünf Dollar sinken. Schließlich hatten sich die Ölländer in der Vergangenheit stets als notorisch uneinig erwiesen und im Streit um Marktanteile die Welt mit dem schwarzen Gold förmlich überschwemmt. Warum sollte es ausgerechnet diesmal anders kommen? An den Börsen schnellten Internet-Aktien in schwindelerregende Höhen, die Märkte starrten fasziniert auf die Verheißungen der "neuen Ökonomie". Die langfristige Sicherung der Energieversorgung rutschte auf der Prioritätenskala nach unten.

Wenn die Rede aufs Öl kam, beruhigte man sich mit dem Hinweis, dass die Abhängigkeit der Industriestaaten vom schwarzen Gold drastisch gesunken sei. Wirtschaftliche Verwerfungen durch einen höheren Ölpreis seien nicht zu befürchten. Ersteres stimmt bis zu einem gewissen Grade. Die Abhängigkeit vom Öl hat sich vor allem im Westen mit seinen stärker von Dienstleistungen geprägten Volkswirtschaften verringert. Öl besitzt nicht mehr die alles überragende Stellung wie noch vor 20, 30 Jahren.

Doch ist es bedeutend genug geblieben, um jetzt in den Industriestaaten die Alarmglocken schrillen zu lassen. Denn die Gefahr, dass die Preisentwicklung die Weltwirtschaft aus der Balance bringt, wächst: Ein hoher Ölpreis heizt die Inflation an, das wiederum führt zu höheren Lohnabschlüssen und zwingt die Zentralbanken zu Bremsmanövern. Am Ende der Kette könnte es zur konjunkturellen Abflachung, schlimmstenfalls sogar zu einer Rezession kommen.

Alan Greenspan, Chef der amerikanischen Zentralbank, warnte bereits in düsteren Worten vor der "nachhaltigen, negativen Wirkung" eines hohen Ölpreises auf Weltkonjunktur und Wachstum. In den Vereinigten Staaten stieg der Konsumpreisindex im Februar deutlich stärker als erwartet um 0,5 Prozent nach oben. Die EZB hat bereits auf die Entwicklung an der Ölfront reagiert. Sie begründete die jüngste Zinserhöhung ausdrücklich mit dem Anstieg des Rohölpreises und beunruhigenden inflationären Tendenzen in den Mitgliedsstaaten der Währungsunion. EZB-Präsident Wim Duisenberg fühlte sich bemüßigt, vor einer Lohn-Preis-Spirale zu warnen, die zu noch drastischeren Entscheidungen zwingen könnte.

Auch Rolf Peffekoven, Mitglied des Sachverständigenrates, rechnet in diesem Jahr für die Bundesrepublik mit einer Inflationsrate von "1,5 bis 2 Prozent" gegenüber lediglich 0,5 Prozent 1999 und verweist darauf, dass es in der Eurozone bereits Länder gebe, deren Inflationsrate über 2 Prozent und damit über dem "Referenzwert zur Stabilität" liege; das sei zum größten Teil die Folge des gestiegenen Ölpreises.

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