Lektoren wirken im Stillen, doch sie können Großes bewirken. Auf kaum einen trifft das so zu wie auf Ernst-Peter Wieckenberg, der am 23. März seinen 65.

Geburtstag feiert. Dreiunddreißig Jahre hat er das schöngeistige und kulturwissenschaftliche Programm des C. H. Beck Verlages in München geprägt.

Nun zieht er sich behutsam, wie das seine Art ist, aus der Verlagsarbeit zurück. Dass C. H. Beck für Historiker des In- und Auslands zur ersten Adresse wurde, ist vor allem ihm zu verdanken. Bedeutende Werke zur deutschen Geschichte - von Gordon Craig, Thomas Nipperdey, Hans-Ulrich Wehler bis zur jüngsten Darstellung von Heinrich August Winkler (siehe Literaturbeilage S.

21) - sind durch seine Hände gegangen. Grundlegende Bücher zur jüdischen Kultur und Geschichte hat er angeregt, eines - Michael A. Meyers Geschichte jüdischer Identität in Deutschland von 1749 bis 1824 - auch selbst übersetzt.

Seine eigentliche Leidenschaft gehört dem 18. Jahrhundert, zu dessen Neubesichtigung er eingeladen hat - mit eigenen Studien wie auch durch die von ihm geschaffene Bibliothek des 18. Jahrhunderts. In ebendieser Reihe ist nun, als Hommage auf ihn, ein einzigartiges Buch erschienen: Nahezu hundert Autorinnen und Autoren des Beck-Verlages haben ihren "Lieblingstext" aus dem 18. Jahrhundert ausgewählt und kommentiert. Ein solches Jahrhundert vergißt sich nicht mehr lautet der Titel in Anlehnung an ein berühmtes Wort Immanuel Kants über die Französische Revolution. Ein schöneres Geschenk hätte dem scheidenden Cheflektor, dem geduldigen Anreger und Förderer, und mit ihm allen Liebhabern der Epoche nicht gemacht werden können.