Hier und dort wird die Vermutung geäußert, die Sache mit dem angeblich steigenden Briefporto sei zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der Post AG, Klaus Zumwinkel, und dem Berliner Wirtschaftsminister Werner Müller abgekartet. Das wird man nicht belegen können. Allein die Logik ist jedoch so gut wie eine amtliche Bestätigung. Dazu muss man wissen: Zumwinkel ist schon froh, wenn er das gegenwärtige Porto bis zum Ende des Beförderungsmonopols für Briefe und Postkarten im Jahr 2002 halten kann. Die Europäische Kommission nämlich hat ihn bereits seit längerem am Wickel. Brüssel vermutet unangemessene Monopolgewinne, mit denen Zumwinkel anderswo Löcher stopft.

Ähnliches mutmaßt Klaus-Dieter Scheuerle, Präsident der deutschen Regulierungsbehörde. Der möchte, dass Zumwinkel in puncto Preisgebaren endlich alles offen legt. Wäre Zumwinkel dann so etwas wie Wucher anzukreiden, könnte Scheuerle sogar Preissenkungen anordnen.

An dieser Stelle kommt nun Werner Müller ins Spiel. Indem er gegen Portoerhöhungen wettert, schützt der Wirtschaftsminister die Kunden und poliert damit gleichzeitig am Image der vermeintlich verbraucherfreundlichen Regierung. Immerhin ist das Briefporto seit eh und je eine heikle Sache standen Erhöhungen auf der Tagesordnung, kam früher schon mal das Parlament aus den Ferien. Indem Müller beteuert, er werde alles tun, damit das Porto auf dem jetzigen Stand bleibt, unterstützt er aber das eigentliche Ziel des Postlers Zumwinkel, die Preise zu halten. Der seinem Ministerium unterstehenden Regulierungsbehörde signalisiert er zugleich, was er davon hält, dass Scheuerle mit Preissenkungen liebäugelt - nämlich nichts.

Womit Müller sich nun auch noch Finanzminister Hans Eichel zum Freund macht.

Weil der am Briefmonopol teilhat, schätzt er dessen Gewinne natürlich besonders. Sechs Milliarden Mark seien es, sagt man. Keiner weiß es wirklich genau, außer Klaus Zumwinkel. Der aber schweigt und genießt, zumal ihm gerade wieder von der Süddeutschen Zeitung bescheinigt wurde, das einst "hochdefizitäre Staatsunternehmen zu einem florierenden Logistikkonzern" gemacht zu haben. Da wird er dann wohl noch die paar Betriebsrenten ehemaliger Teilzeit-Postler bezahlen können, die ihm das Verfassungsgericht in Karlsruhe und der Europäische Gerichtshof aufgebrummt haben.