Aus dem Munde eines Generals war es eine verblüffende Antwort. Gefragt nach dem wirksamsten Mittel gegen die ethnische Gewalt in Mitrovica, antwortete der deutsche KFor-Kommandeur Klaus Reinhardt: "Jobs." Wer einen Arbeitsplatz habe, begreife schnell, dass man in einem Klima der Gewalt nur verlieren könne.

Doch bei der Schaffung von Arbeitsplätzen sind Unmik und EU, im Kosovo für den ökonomischen Wiederaufbau zuständig, mit zwei riesigen Problemen konfrontiert: der demografischen Entwicklung und dem politischen Umgang mit begangenem Unrecht.

Von den rund zwei Millionen Kosovaren ist die Hälfte jünger als 20 Jahre.

Diese Generation ist während der Apartheid aufgewachsen, hat zumeist kaum Schulbildung erhalten - und braucht eine wirtschaftliche Perspektive. Die soll ein Zweiphasenplan von EU und Weltbank für die nächsten vier Jahre schaffen - allerdings nur, wenn die Mitgliedsländer dafür fünf Milliarden Mark aufbringen.

Als neuer Arbeitgeber sind im großen Stil bislang nur die internationalen Institutionen und die Hilfsorganisationen in Erscheinung getreten. Besonders jüngere Kosovaren landen hier für begrenzte Zeit als Dolmetscher, Fahrer, Wachleute und Sekretärinnen. Trotzdem liegt die Arbeitslosenrate noch immer bei knapp 70 Prozent.

Gleichzeitig müssen sich Unmik und EU als Abwickler betätigen. Viele Kosovo-Albaner, die Anfang der neunziger Jahre von Serben aus dem öffentlichen Dienst oder den staatlichen Betrieben entlassen wurden, fordern nun ihre Jobs zurück. Hinzu kommen über 20 000 Kumpel aus den Minen von Trepca, die gefeuert und durch serbische, polnische und ukrainische Arbeiter ersetzt worden waren. Ähnlich erging es den albanischen Angestellten von Radio Television Prishtina, den Eisenbahnarbeitern, den Verwaltungsangestellten, den Ärzten und dem Pflegepersonal. In manchen Bezirken, in denen die selbst ernannte UÇK-Verwaltung im Überschwang des Sieges Stellen besetzt hatte, brüten Unmik-Vertreter nun über Sozialplänen.

Währenddessen muss der neue Fernsehsender RTK1 die Forderungen eines Komitees ehemaliger Rundfunkangestellter abwehren, die wieder 1600 Menschen angestellt sehen wollen - wie zu friedlich-sozialistischen Zeiten, als es noch zwei Orchester, einen Fahr- und Gebührendienst gab.