Griffbereit lehnt die Winchester in der Ecke: Bären lassen sich gerne von den Vorräten anlocken, oder ein Elchbulle tobt seinen Frust an der Haustür aus. Doch Stuart hat es geschafft, mit dem Leben in der Wildnis fertig zu werden. Und seine Frau Doris, Indianerin von Stamm der Gwich'in, weiß noch von früher, wie man in der grenzenlosen Einsamkeit überlebt, sich viele Tage nur von Beeren und Blättern ernähren kann. Wer hier wohnt, muss ohne Fernsehen, Zeitung oder Telefon auskommen. Nur ein Funkgerät liegt auf dem Tisch. Für den Notfall.

Das Holzhaus steht, eingerahmt von Bäumen, mitten in der Wildnis der subarktischen Tundra. Nur hundert Meter entfernt fließt der Whitestone River vorbei, der nun dick mit Schnee und Eis bedeckt ist. Über einer Holzstange hängt das Fell eines Karibus, das durch die Kälte steif wie ein Brett geworden ist. An der Hauswand lehnen selbst gemachte Schneeschuhe aus Tiersehnen. Daneben ist ein beachtlicher Haufen Holz für den Ofen, eine umgebaute Öltonne, aufgestapelt.

Wir sitzen in der 20 Quadratmeter großen Hütte um den Esstisch herum. Gerade beginnt das Teewasser zu kochen. Selbst gedrehte Zigaretten werden herumgereicht und die Aufgaben für heute verteilt: viele Eimer Wasser aus dem Eisloch im Whitestone River holen, Holz hacken, Fallen reparieren. Wahre Knochenarbeit, wenn der Sturm bläst und in kurzer Zeit die Hände vor Kälte fast erstarren.

Dieser Fleck im hohen Norden Kanadas ist ein idealer Platz für Aussteiger, und sei es nur für ein paar Wochen. Wie man sich mit der Wildnis und der großen Weite, mit der Kälte und den Stürmen arrangiert, kann man von Doris und Stuart lernen. Die beiden haben im vergangenen Sommer eine komplett eingerichtete Hütte für Gäste und Freunde gebaut. In den Regalen stehen viele Bücher für die langen Nächte. Vor neun Uhr morgens wird es nicht hell, und um fünf Uhr bricht schon wieder die Dunkelheit an.

Den Sommer und den Herbst nutzen Stuart und Doris, um zu jagen und zu angeln.

Wer keine Vorräte anlegt, überlebt den Winter nicht. Stuart hat im Oktober Karibus geschossen - und einen Elch. Aus Notwehr. Damit hat er sein Kontingent erschöpft. Mehr als ein Elch steht ihm als Weißem nicht zu. Die Indianerin Doris darf unbegrenzt jagen.

Ihr Kühlschrank liegt vor der Haustür auf einem hohen Pfeiler, damit nicht Bären oder Marder die Vorräte stehlen. Behände klettert Doris zu ihrer Speisekammer hinauf, wo sich Lachse und das Fleisch von Karibu und Elch stapeln. Die Konservierung hat die Natur übernommen. So müssen die Steaks erst in der Pfanne auftauen. Dazu gibt es eingekochte Preiselbeeren, die fast die Größe von Himbeeren erreichen.