Frisuren sind für den nigerianischen Fotografen J. D. Okhai Ojeikere alles andere als profan. Frisuren sind eine Form von Kunst, die Arbeit eines Haarkünstlers gleicht der eines Bildhauers, hat er gesagt. Mehr als tausend Frisuren hat er in den vergangenen 30 Jahren fotografiert, meist von hinten, manchmal im Profil, seltener von vorne. Diese Fotos zeigt die Fondation Cartier in Paris vom 5. April bis 28. Mai zum ersten Mal außerhalb Nigerias.

Frisuren wie Skulpturen, gibt es das in Europa überhaupt? Selbstverständlich.

In jeder größeren Stadt arbeiten schwarze Friseurinnen in Afro-Shops.

Haarkultur nicht nur für Afrikaner, sondern auch für junge Leute, bei denen Dreadlocks (Rastalocken) und Cornrolls (kleine Zöpfchen, direkt am Kopf) immer mehr in Mode kommen. Wir haben nachgefragt. Billie Jean Gebauer aus Ghana arbeitet seit vier Jahren im Hamburger Afro-Shop international hair.

Die 31-Jährige hat uns erklärt, wie die aufwändigen Frisuren, die Ojeikere fotografiert, gemacht werden.

Die Zeit: Wie macht man solche Frisuren wie auf dem Foto links?

Billie Jean Gebauer: Die Haare werden büschelweise mit Zwirn umwickelt. Man fängt dicht an der Wurzel an und wickelt den Faden ganz eng. Zum Schluss werden mehrere Knoten gemacht, damit es hält. Früher waren das keine Frisuren. Schwarze Frauen haben sich die Haare wickeln lassen, weil es die einzige Möglichkeit war, sie glatt zu bekommen.