Für die Vorstellung ihrer neuen C-Klasse scheuten die DaimlerChrysler-PR-Strategen keinen Aufwand. Konzernchef Jürgen Schrempp ließ es sich im nagelneuen Event-Center in Sindelfingen nicht nehmen, das neue Auto persönlich zu präsentieren. Live-Übertragungen im Fernsehen und im Internet sorgten dafür, dass auch Nichtgeladene die "Weltpremiere" miterleben konnten. Als akustischen Höhepunkt gab die britische Stargeigerin Vanessa Mae ihren neuen Song The Power of C zum Besten.

Zweihundert Kilometer weiter südöstlich, in der Münchner Zentrale der Bayerischen Motorenwerke, wurden die Signale der Mercedes-Regie verstanden.

Es ist noch kein Jahr her, da hatten die Bayern ebenjene junge Pop-Violinistin in London auf das Dach ihres damaligen Hoffnungsträgers Rover 75 gestellt, um das Ende der Leidenszeit ihrer britischen Tochter einzuläuten. Der "Seventy Five" wurde trotz preisgekröntem Design und BMW-Qualitätsniveau ein Flop. Die Sache mit Rover haben die Herrenfahrer im Münchner Vierzylinder mittlerweile gründlich vergeigt.

In einem "Akt der Verzweiflung", wie es der renommierte Branchenexperte Daniel T. Jones nennt, warf der BMW-Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg sämtliche Treueschwüre der vergangenen Monate über Bord: Die Verlust bringende Pkw-Fertigung von Rover soll - mit Milliardenzuzahlung - an ein Konsortium mit dem sinnreichen Namen Alchemy verscherbelt werden, die wachstumsträchtige Geländewagensparte Land Rover an Ford gehen. Behalten will BMW nur den New Mini, der 2001 kommen soll.

Die neue Mercedes-C-Klasse greift den 3er-BMW an Nicht nur der Gag mit der jungen Geigerin bei der Präsentation des neuen Mercedes-Modells soll BMW piesacken. 40 Prozent der C-Klassen-Käufer sollen von anderen Marken herübergezogen werden. "Wir rechnen mit einer hohen Eroberungsrate", sagt Jürgen Schrempp siegessicher. Das dynamische Styling, die Motoren und Varianten der C-Klasse machen deutlich, gegen wen es geht: die 3er-Serie von BMW. Nachdem Mercedes bereits mit der E-Klasse (gegen den 5er-BMW) und in der S-Klasse (gegen den 7er-BMW), bei Coupés und Roadstern mit CLK und SLK im Markt vorn liegt, wollen die Schwaben jetzt die letzte Bastion der Bayern schleifen.

Ernst nehmen müssen die Münchner das. Zwar beschwört Vorstandschef Joachim Milberg in diesen Tagen ein ums andere Mal, "die Marke BMW ist so stark wie gegenwärtig kaum eine andere Automobilmarke weltweit", und noch nie wurde im Segment BMW Automobile so viel Geld verdient. Doch das klingt nach Pfeifen im Walde. Erstmals nach 35 Jahren weisen die erfolgsverwöhnten Bayern einen dicken Verlust von fast fünf Milliarden Mark in der Bilanz aus. Sie verlieren schon wieder drei Vorstände, die gerade erst ein Jahr im Amt sind, im Dissens. Im vergangenen Jahr wiesen nur zwei BMW-Modellreihen Zuwächse auf: der neue Geländewagen X5 und vor allem die 3er-Serie. Wie wichtig die bislang kleinste Modellreihe für BMW ist, machen die Verkaufszahlen deutlich: Knapp zwei Drittel aller Autos mit dem weißblauen Markenemblem tragen die 3 als erste Zahl im Typcode.

Mit dem "Salto rückwärts" (Süddeutsche Zeitung) in der vergangenen Woche offenbart das BMW-Management seine Hilflosigkeit. Der Versuch, mit der Massenmarke Rover zum "Komplettanbieter" zu werden, ist grandios gescheitert.