Keine Tauben heute. Und keine Rote Beete. Nirgends aufzutreiben. Hermann Pflaum ist betrübt. Denn heute abend steht in Pflaums Posthotel Pegnitz (PPP) Gourmetoper auf dem Spielplan. Der ewige Richard Wagner von Herbert Rosendorfer. Musik: vornehmlich Wagner. Regie: Peter Paul Pachl. Küche: Hermann Pflaum.

Und was muss zu Wagner gegessen werden? Täubchen natürlich. Auch etwas Rot-Weißes. Hummer zum Beispiel. In Gelee, mit Kaviar und Schmand. Dazu Rote-Beete-Sauce. Aber Rote Beete gab es gerade nicht. Also hat Hermann Pflaum eine Sauce aus Paprika und Tomaten gezaubert und die Täubchen durch Wachteln ersetzt. Schon war die kulinarisch-künstlerische Harmonie in Pegnitz wiederhergestellt.

Pegnitz ist eine typisch oberfränkische Kleinstadt an der A 9, knapp 30 Kilometer südlich von Bayreuth. Durchgangsstraße, Kirche, Drogeriemarkt, Freibad im Sommer. Nichts also, was prominente Touristen scharenweise anlocken könnte. Trotzdem sind sie alle hier gewesen: Walt Disney, Placido Domingo, James Levine, Thomas Gottschalk, Heiner Müller und und und. Sie kommen wegen Pflaums Posthotel, dem mehrfach preisgekrönten Designtempel und Privathotel. Beziehungsweise: Sie fahren zu den Festspielen nach Bayreuth, um in Pegnitz zu essen und zu schlafen. Selten versäumt es Hotelier Andreas Pflaum, seinen Gästen diese Worte des Schriftstellers Wolfgang Koeppen vorzulesen.

Die Bayreuther Festspiele also. Pflaum lebt von und mit ihnen, inszeniert sein Haus als Verbeugung vor dem Grünen Hügel und wetteifert gar mit dem Wagner-Theater um die künstlerische Vorherrschaft im Landkreis. Denn im PPP wurde eine Form des Musiktheaters wiederbelebt, die es im 18. Jahrhundert an der Mailänder Scala schon einmal gab: Zwischen den Akten einer Oper wird jeweils ein Menügang serviert. Küche, Keller und Kunst liegen im Wettstreit, wie Pflaum es beschreibt. Kein Ereignis für jeden Geldbeutel.

Doch was zählt Geld, wenn Stars wie der Schriftsteller Herbert Rosendorfer, dem PPP seit Jahren freundschaftlich verbunden, für sein Lieblingshotel eine Oper schreibt? Die Idee hinter dem Werk Der ewige Richard Wagner ist, dass der Meister nicht 1883 in Venedig starb, sondern mit seiner Geliebten nach New York floh. Dort verdingt er sich als Broadway-Komponist, verhunzt seine Opern als Musicals und hat wechselnde Affären mit immer jüngeren Mädchen.

Gespielt wird im Schwimmbad des Hotels. Das passt zum schlüpfrigen Geschehen.

Zu den Requisiten zählt auch einer der roten Gymnastikbälle, denen die Bühnenbildnerin Rosalie zu Ruhm in Designerkreisen verholfen hat. Ach ja: Wer die neben der Hoteleingangstreppe drapierten grünblauen Bürsten aus einer Autowaschanlage für einen Missgriff hält, der irrt. Es ist Rosalies Rheinfall aus dem Bayreuther Kirchner-Ring.