Unendlich viele Großmütter und Kindergärtnerinnen schicken uns ihre Bilder und Texte. Der ganze Bekanntenkreis hat sie ermuntert, sie könnten das so toll", sagt Valeska Schneider-Finke, Programmleiterin Kinderbuch beim Ravensburger Buchverlag. Ihrem Verlag wurden die Berge an Post zu viel - er schickt unverlangt eingesandte Mappen und Manuskripte jetzt ungeprüft zurück.

Leicht ist es nicht, als Kinderbuchillustrator zu reüssieren. Da es im deutschsprachigen Raum kaum illustrierte Bücher für Erwachsene gibt, ist die Konkurrenz auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt groß. Das heißt aber nicht, dass der Nachwuchs keine Chance hat. 1998 sind immerhin 4500 Kinder- und Jugendbücher in der Erstauflage erschienen. Jeder zehnte Titel, der in der Buchhandlung über die Theke geht, kommt aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung.

Zwar sind viele Illustratoren Autodidakten. Doch raten auch Profis dem Nachwuchs dazu, an einer Hochschule das Handwerk zu lernen. So wie es Julia Kaergel getan hat. Die 34-Jährige hat an der Fachhochschule Hamburg studiert und bekam noch im Studium den Auftrag, für Ravensburger das Bilderbuch Lotte will Prinzessin sein zu illustrieren - zu einem Text der Regisseurin Doris Dörrie. Das Buch hat inzwischen eine Auflage von 45 000 Exemplaren und ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Der dritte Lotte- Band erscheint im Herbst.

Neben Hamburg bilden auch die Fachhochschule Münster sowie die Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst in den Illustrationsklassen gezielt für das Kinderbuch aus. Julia Kaergel, die im Sommer 1999 ihr Diplom gemacht hat, belegte im Grundstudium Mal- und Zeichenkurse, studierte Typografie, Fotografie und Drucktechniken. Neugierig auf Bilderbücher wurde sie erst in der Illustrationsklasse von Rüdiger Stoye. Der ließ Julia Kaergel und ihre Kommilitonen in Projektarbeit zunächst kleine Storyboards entwickeln, dann ganze Bilderbücher. "Am wichtigsten ist, dass die Studenten dabei nachzudenken beginnen, wie sie als Kind waren. Von was sie träumten, was sie geliebt haben", sagt Stoye. "Nur wem es gelingt, die eigene Kindlichkeit zum Klingen zu bringen, der wirkt künstlerisch authentisch."

"Die Deutschen wollen liebe, weiche Zeichnungen"

Um seinen Studenten die Kontaktaufnahme mit den Verlagen zu erleichtern, organisiert Stoye in Hamburg jedes Jahr eine Abschluss-Ausstellung. Dort wurde Ravensburger auf Julia Kaergel aufmerksam.

Wer mit einem Buchverlag ins Gespräch kommen will, "sollte nicht übervorsichtig sein", rät die Oetinger-Verlegerin Silke Weitendorf. Sie hat nichts dagegen, wenn Nachwuchsillustratoren sich per Post vorstellen. Wichtig ist jedoch, einen Ansprechpartner im Verlag zu haben und erst einmal herauszufinden, ob der eigene Zeichenstil ins Programm passt. Eine solide gemachte Mappe koste 30 bis 40 Mark, sagt Julia Kaergel. "Wer die an 100 Verlage schickt, von denen nur 8 interessiert sind, ist eigentlich selber schuld."