Aus gegebenem Anlass ist darauf hinzuweisen, dass diese Spalte - und das gilt für jede Seite, jede Zeile der ZEIT - kein Scherz ist. Für fünf Mark darf der Leser zum Mindesten Seriosität verlangen, und hier kriegt er sie. Der Anlass ist eine Bemerkung des Scherzkekses Peter Sloterdijk, der dieser Tage in Hamburg seine berüchtigte Elmauer Rede über die Menschenzüchtung als "einen lang gezogenen, melancholischen Scherz" bezeichnet hat. Dass die Rede "lang gezogen" war, bedarf keines neuerlichen Hinweises, immerhin zieht sie sich jetzt vom Fuße der Alpen bis zu den Ufern der Elbe; dass sie ein "Scherz" war, ist ein besondrer Scherz, von dem Shakespeare sagt: "Der Bursch ist klug genug, den Narrn zu spielen, / und das geschickt tun, fordert eingen Witz. / Die Laune derer, über die er scherzt, / die Zeiten und Personen muss er kennen / und wie der Falk auf jede Feder schießen, / die ihm vors Auge kommt. Dies ist ein Handwerk, / so voll Arbeit als des Weisen Kunst."

In Basel, sagt Sloterdijk, habe das Publikum "vom Anfang bis zum Ende gelacht". Ja, in Basel, Heimat der Narren. Im traurigen Norden lacht sich's nicht so leicht. Da nimmt man die Dinge noch ernst. In Oslo zum Beispiel gibt es 18 Moscheen, und von jeder dürfen die Muslime fünfmal am Tag über Lautsprecher "Gott ist groß!" rufen. Das ergibt täglich 90 "Gott ist groß"-Rufe. Jetzt haben sich die Atheisten Oslos zusammengetan und wollen "Gott gibt es nicht!" rufen. Sloterdijk würde sagen, dass dies kein Widerspruch sein muss. Auch der Gott, den es nicht gibt, kann groß sein, das hat schon Nietzsche gewusst.