DIE ZEIT: Herr Klimmt, Sie sind Minister für Verkehr, für Bau und Wohnungswesen - sind Sie eigentlich auch Kulturminister?

REINHARD KLIMMT: Beim Thema Architektur, die ja zu den schönen Künsten gehört, ist man natürlich sehr schnell im kulturellen Bereich. Aber die ökonomischen, sozialen und ökologischen Fragen sind für mich ebenso wichtig.

KLIMMT: Ich muss auf günstige Baupreise achten, ich muss darauf achten, dass genug gebaut wird, damit keine Arbeitsplätze verloren gehen. Aber das ist nur ein Teil. Denn Städtebau, Raumordnung und das Bauen selbst haben natürlich auch eine ästhetische Dimension, die mit darüber entscheidet, ob Menschen sich wohl fühlen oder nicht, ob sie sich integriert oder deplatziert vorkommen. Und deshalb muss diese Dimension bei uns im Ministerium beachtet werden.

ZEIT: Haben Sie aus diesem Grund das Referat für Architektur und Baukultur wieder ins Leben gerufen?

KLIMMT: Das war einer der Gründe. Der Stadtraum und seine architektonische Gestaltung sind ja Ausdruck und Voraussetzung einer eigenen Identität, das wird mir in Berlin täglich drastisch vor Augen geführt. Gerade hier in der Mitte ist ja der Stadtraum in ganz fürchterlicher Weise malträtiert, und ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, ihn wieder so herzustellen, wie man es aus anderen Städten kennt. Urban ist eine Stadt eben nur, wenn sie Intimität und Öffnung gleichermaßen erlaubt, Parks und Restaurants, Läden und Plätze. Etwa in Paris oder in London gibt es die Verbindung zwischen dem Großen, Anspruchsvollen mit dem Kleinräumigen und Menschlichen. Gerade diese Mischung braucht die Mitte Berlins. Aber auch viele andere Innenstädte sollten wir weiterentwickeln, ohne dabei nur auf möglichst hohe Renditen zu achten. Im Vordergrund muss wieder die Frage stehen, welche Lebensformen und welche Impulse unsere Citys den Menschen denn bieten.

ZEIT: Wie gefällt Ihnen denn die neue Mitte Berlins?

KLIMMT: Ich sehe einen Mangel an Urbanität, das eigentliche Leben spielt sich eher an anderen Stellen Berlins ab. Offenbar muss die Stadt kleinteiliger sein und den Menschen direktere Möglichkeiten des Zugangs bieten, um urban zu sein. Da müssen wir noch einiges tun. Eine schwere Hypothek sind dabei die brutalen Schneisen hier im Osten der Stadt, die mir geradezu weh tun, weil sie jede ästhetische Dimension zu leugnen scheinen. So fahre ich, trotz Baustelle oder Stau, lieber die Linden hinunter.