Die erste Anlage, die aus Motivation Rendite macht", wirbt die niederländische Großbank ABN Amro für ihr neues Produkt. Der Reklamespruch soll den Verkauf von Zertifikaten ankurbeln, die sich am so genannten Mitarbeiter-Beteiligungs-Index orientieren. Der Name klingt komplizierter, als das Produkt tatsächlich ist. Die einfache Grundidee: Motivierte Beschäftigte tragen zum Erfolg ihrer Firma bei und treiben so den Aktienkurs in die Höhe. "Mitarbeitermotivation ist der entscheidende Wettbewerbsfaktor, insbesondere in Zukunftsbranchen", argumentiert die Bank.

Wer "nur" Angestellter sei, achte weniger auf die Kosten, investiere weniger Engagement in die Zukunft des Unternehmens und fühle sich außerdem langfristig kaum an seinen Arbeitsplatz gebunden, begründet ABN Amro den ungewöhnlichen Index. Angestellte jedoch, die sich zum "Mitarbeiter-Unternehmer" wandeln könnten, würden schlicht bessere Leistungen bringen. Solche Aktiengesellschaften seien im Tagesgeschäft meist besonders erfolgreich; das zahle sich dann auch durch einen überdurchschnittlich hohen Börsenkurs aus - mit angenehmen Folgen für alle Aktionäre, ganz gleich ob Mitarbeiter oder Renditejäger.

Binnen drei Jahren legte der Index um 61 Prozent zu

Der Mitarbeiter-Beteiligungs-Index spiegelt dabei die Kursentwicklung der ausgewählten 21 Aktiengesellschaften wider. Steigt der Index beispielsweise um zehn Prozent, steigt auch der Wert des Indexzertifikates um zehn Prozent. Zurückgerechnet für die vergangenen drei Jahre schlug der Mitarbeiter-Index immerhin 16 europäische Aktienmärkte um Längen. Stephan Kunze, der mit seinem Team den Index vor fast einem Jahr kreiert hat, freut sich über "eines unserer besten Produkte". Es sei "außergewöhnlich gut gelaufen": Der Index stieg in den ersten elf Monaten um 61 Prozent und kletterte damit fast doppelt so schnell wie der Vergleichsmaßstab, der Dow Jones Stoxx.

Als Kriterium für Unternehmen mit besonders motivierten Mitarbeitern zieht ABN Amro nicht das urdeutsche Mitbestimmungsmodell, mit einem von Arbeit und Kapital paritätisch besetzten Aufsichtsrat, heran. Vielmehr orientieren sich die Niederländer vor allem daran, wie hoch der Anteil an Unternehmensaktien ist, die im Besitz der Arbeitnehmer sind. Bei Großkonzernen müssen wenigstens fünf Prozent des Kapitals in Belegschaftshand sein, bei kleineren Unternehmen mindestens zehn.

"Dass die Beteiligung des Mitarbeiters am Unternehmenserfolg ein wichtiger Motivationsfaktor ist, wird heute von der Shareholder-Value-Philosophie weltweit propagiert. Jedoch reduziert sich dieser Gedanke nur zu oft auf Ansätze, die allein die obere Managementebene einbeziehen", kritisiert der Verkaufsprospekt der ABN-Amro-Bank, die selbst freilich die Kriterien des Indizes gar nicht erfüllen würde.

Die Belegschaft müsse "richtig" am Unternehmen beteiligt sein, wenn eine Aktie in den Index rutschen soll, heißt es bei ABN Amro. Beispielhaft sei das Mutterland des Shareholder-Value, die USA. Dort sind heute einige hundert Unternehmen mindestens zu zehn Prozent im Besitz der Arbeiter und Angestellten. Auch in Großbritannien sollen 36 börsennotierte Unternehmen ihre Mitarbeiter unterhalb der Chefetage mit mindestens zehn Prozent am Kapital beteiligt haben. In die Nähe dieser Quote gelangen hierzulande nur einige wenige Konzerne: Siemens etwa oder das Übernahmeopfer Mannesmann, bei dem die Beschäftigten rund acht Prozent aller Aktien besaßen.