Sie sieht so harmlos aus. Und ist so schmal. Fast könnte man meinen, die zierliche Person an Angela Merkels Seite bräuchte Schutz, ist es doch eine jener Pressekonferenzen, die auf einen Millionen-im-Koffer-Tag folgen und auf der Generalsekretärin Angela Merkel mit hölzerner Miene verkündet, wie unangenehm die ganze Angelegenheit sei.

Wenn Eva Christiansen dann aber vor einem sitzt, gekleidet in Jackett und Hose, und einen anschaut, ändert sich das Bild. Sie wirkt jung und unverbraucht, hat eine distanzierte Art. Selbstschutz? Machtbewusstsein ist es jedenfalls nicht, das trägt sie nicht zur Schau. Unauffälligkeit ist vielmehr ihr Markenzeichen. Dahinter verbirgt sie die Energie, die in ihr blubbert. "Ich weiß, was ich will", sagt sie und guckt dabei fröhlich.

Mit ihrer Chefin teilt sie erlebbar die Lust, unterschätzt zu werden; sie kann bei einem Gespräch so harmlos wirken, dass man danach nicht weiß, was sie eigentlich gesagt hat. Ganz anders, wenn sie zur Sache kommt: Sie telefoniert schnell und präzise, gibt Journalisten schon mal großzügig einen Wink auf eine bevorstehende Neuigkeit. Sie ist hilfsbereit - wenn sie es will. Und wenn es ihr passt. Sie entscheidet (mit), wer welche Interviews mit ihrer Chefin bekommt, wer wo auftritt, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Sender. Sie ist die Generalin, die empfiehlt, welcher Geschütze sich Angela Merkel zu ihrer eigenen Positionierung bedienen sollte.

Eva Christiansen ist gerade mal 30 Jahre alt, CDU-Mitglied seit drei Jahren, diplomierte Volkswirtin und heute dort, wo einst die Männer saßen, die das System Kohl verlautbarten.

Sie hat in 15 Monaten, die sie als Sprecherin tätig war, geleistet, was ganz andere Kaliber vielleicht verdorben hätten: über die Spendenlügen und die Misswirtschaft in der CDU die Öffentlichkeit eindeutig zu informieren. Es war ihr Gesellenstück.

Keine Christiansen ohne Merkel: Wo die Generalsekretärin offen, direkt und mit der nötigen Portion Nüchternheit die Verfehlungen der CDU eingestand, war Christiansen zur Stelle, um mit ihrer Crew die Haltung Merkels möglichst breit zu streuen. Spätestens als Wolfgang Schäuble kapitulierte, war die Richtung ganz klar: wenn schon Neuanfang, dann mit Merkel und dann gleich von ganz oben. Das war ihr Meisterstück.

Die "Mission" Merkel ist vollbracht. Die Stunden des Zweifels, ob Angela Merkel den entscheidenden Schritt gehen würde, die angeschlagene Partei als Chefin zu führen, sind beinahe vergessen. Ebenso die Momente, in denen sie die Last verfluchte, die andere verursachten und die es mit gefrorenem Lächeln zu kommentieren galt. Da ging Eva Christiansen gut essen oder holte sich Wärme und Aufmunterung von ihrem Kölner Ehemann, mit dem sie glücklich verheiratet ist, von ihren Freunden und - dem Glauben. Zwei Frauen, die wie zwei Freundinnen kämpften, sind am Ziel. Das Spiel um die Macht in der CDU hat Eva Christiansen mit entschieden. Duzen tun sich die beiden allerdings bis heute nicht.