Farbe, Bouquet, Geschmack, Gesamteindruck: Das sind die vier Stufen einer Weinbeschreibung. Diesmal soll allerdings die neu auf den Markt gekommene Rotwein-Lutschtablette der Firma Biolabor bewertet werden.

Farbe: weiß marmoriertes Bordeauxrot. Das Ding sieht aus wie ein Bonbon, der unverpackt in der Hosentasche lag und aus Versehen mitgewaschen wurde. Warum soll jemand so was in den Mund nehmen?

Bouquet: künstliches Kirscharoma, eindimensional, ohne Entfaltung. Nach dem Schnuppern wird jetzt aller Mut zusammengenommen.

Geschmack: erst säuerlich, mit milchigen, dann kreidigen Noten. Verhaltene Kirschtöne, durch Seife maskiert. Beim Kauen ein Anflug von Brausepulver. Kurzer, klebriger Abgang; es bleibt das Gefühl, Leim gegessen zu haben.

Gesamteindruck: entsprechend.

War das nun gesund? Seit Jahren ist aus einer großen Zahl medizinischer Studien bekannt, dass ein moderater Weingenuss statistisch mit verringertem Infarktrisiko einhergeht. Einige Mediziner machen bestimmte Stoffe aus der großen, mehr als 5000 Substanzen umfassenden Gruppe der Flavonoide für diese segensreiche Wirkung verantwortlich. Das wäre schön, denn diese Stoffe finden sich zuhauf in Obst und Gemüse; niemand muss deswegen zusätzlich Weinpillen hinunterwürgen.

Jüngste Studien aus deutschen Bierregionen (Franken, Berlin) legen nahe, es sei in erster Linie mäßiger Alkoholgenuss, der Herzen schützt. Ob Wein, Bier oder Schnaps: Wer nichts trinkt, geht ein Risiko ein. Man muss allerdings hinzufügen: Wer säuft, lebt noch gefährlicher. Gleichwohl, ein bisschen Alkohol ist, so scheint es, gut für die Pumpe.