Der Osten war die Heimat der Adaption, was spätestens alle merkten, als Leander Haußmann ihn als Leinwandfarce auferstehen ließ. Mit rührendem Eifer wurde hier scheinbar alles, was jenseits der Mauer als en vogue galt, in das realsozialistische Koordinatensystem übertragen. Und mittendrin, in dieser wundersamen Welt der Surrogate, die DDR-Rockmusik.

Anders als etwa die Ketwurst, die nie den Ruf eines missratenen Hot-Dog-Plagiats abstreifen konnte, umgab den Ostrock alsbald die Aura des Originären. Schuld daran waren die Texte, das heißt eigentlich die Partei, die, um Abgrenzung bemüht, die Bands zum deutschen Singsang verdonnerte und zur linientreuen Spiegelung der DDR-Wirklichkeit.

Also sang man brav in der Muttersprache und versuchte, der politischen Fixierung durch den exzessiven Einsatz von Metaphern oder durch hintersinniges Understatement zu entgehen. Das hieß, man trieb entweder Gänse durch die LPG oder ließ Albatrosse in die Freiheit gleiten. Über 100 dieser Songs, die dem tristen DDR-Sein eine poetische Dimension abzutrotzen suchten, wurden jetzt, aufbereitet für Gitarre und Klavier, in einer Best Of Collection zusammengefasst.

Ergänzt durch Fotografien aus dem ostdeutschen Alltag der sechziger bis neunziger Jahre, aufgenommen von renommierten Künstlern, stimmt diese Sammlung bis zum Abwinken melancholisch. Aber gerade darum sei sie auch all jenen anempfohlen, die meinen, einmal Gaucks Normannenstraße hoch und Brussigs Sonnenallee runter genügt, um den Osten zu verstehen.

Heide Buhmann/Hanspeter Haeseler (Hrsg.): Balladen, Blues & Rocklegenden - Rock und Song-Poesie Ost über 100 Lieder in Text und Noten, Rockbuchverlag Buhmann & Haeseler, Schlüchtern 1999 356 S., 95 Fotos, 49,80 DM