GAMEBOY-SPIELEN ist poké-leicht. Wilde Pokémon sammeln, gegnerische Pokémon besiegen, Poké-Trainer herausfordern. Fragen, tauschen, nett sein, Informationen einholen, kämpfen. Leider macht Pokémon pokémäßig süchtig. Noch ahnt unsere Testperson Jürgen, 28, nichts: Akademiker. Raucher. Keine Vorstrafen, keine Poké-Vorbildung. Freundlich, gutmütig. Schlägt selten seine Haustiere. Letzter Game-Arkade-Aufenthalt: Ende der Achtziger. Null Grundtraining an Console-Spielen, minimale Gameboy-Erfahrung.

Tag eins. Noch ist alles in Poké-Butter: Gib mal her. Ich kann das ja eh nicht. Nach wenigen Viertelstunden: Hey super! Ich muss nicht gegen die Zeit spielen. Ich muss nicht manuell geschickt sein! Auftauchen der ersten Poké-Sucht-Symptome: Toll. Alle Leute, denen man im Spiel begegnet, geben höflich Auskunft! Trotz simpler Poké-Grafik setzt der Spielsog ein: Wenn du dich dumm anstellst und alle deine Pokémon besiegt sind, fällst du in Ohnmacht. So wie's im richtigen Leben meist nie klappt. Die ersten Poké-Verhaltensveränderungen treten auf: Abwesenheit, Zerstreutheit.

Seltsames Gemurmel von Poké-Sprüchen wie: Ach, so funktioniert mein Zerschneider! Oder: Nein, ich hab doch schon einen Zubat! Und: Ganz schön lästig, diese Digdas! Poké-Glücksgefühle bei Pokémon-Mutationen und Poké-Ärger beim Tausch eines äußert wirksamen Tackle gegen einen sinnlosen Panzerschutz: Aber immerhin habe ich jetzt einen Fahrradladen-Gutschein.

Dann kann ich schneller vorwärts kommen. Falls ich den Fahrradladen wiederfinde. Spielzeit nach zwei Poké-Tagen: neun Stunden. Büropausen werden vom Poké-Tester schamhaft dazu genutzt, mit abgestelltem Ton auf dem WC weiterzuspielen. Achtung, Poké-Gefahr: Abschnitt der Blutzirkulation in den Oberschenkeln durch zu langes, unbewegliches Poké-Sitzen. Zwischenergebnis: Ich habe zwar erst 15 von 150 Pokédex, aber 53 habe ich schon gesehen. Tag drei: In einer Viertelstunde ist Schluss. Später: Nur noch diesen Poké-Kampf! Viel später: Ich war eben knapp davor aufzugeben, aber dann habe ich diese Angel bekommen, und mir eröffnete sich eine neue Poké-Welt.

Sehr viel später: Geduld zahlt sich aus. Ähem: Ui! Schon elf Stunden dreißig Minuten gespielt. Mist!

Der Game Boy Color von Nintendo kostet 139 Mark. Die Pokémon-Spielkassette 69 Mark, davon gibt es eine rote und eine blaue Version. Da die 150 Pokémon-Tierchen auf diese zwei Versionen verteilt sind, braucht man, wenn man alle besitzen will, einen Game Boy-Freund mit der anderen Spielkassette.

Mit einem Kabel verbunden, können die Pokémon-Tierchen getauscht oder bekämpft werden.