Die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien sind so gut wie nie zuvor. Das behauptet derzeit jeder - auch auf der Königswinter-Konferenz, die in der vorigen Woche in Oxford ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Nun ist diese renommierte deutsch-britische Konferenz zu nichts anderem da als dazu, diese Beziehungen zu verbessern - und das schöne Ergebnis zu verkünden.

Dieses Mal leisteten Tony Blair und Gerhard Schröder ihren persönlichen Beitrag dazu.

Aber dann wären da noch die britische Verstimmung über die Art, wie die deutsche BMW ihre englische Tochter Rover verstieß, und die Weise, in der die britische Vodafone die deutsche Mannesmann übernahm ("feindlich", wie man hierzulande sagte, aufgrund eines "unerbetenen Angebots", wie es ein britischer Berater der Aktion nannte). Und dann wäre da noch die peinliche Affäre um den britischen Botschafter in Berlin. Der nämlich hatte in einem Interview mit der Welt gesagt, die beiden Pressemagnaten Black und Murdoch, die jeweils einen großen Teil der Inselzeitungen beherrschen, verbreiteten in ihren Blättern europa- und deutschlandfeindliche Stimmungen. Dafür wurde ihm im College-Hof vom reitenden Gerichtsboten (und vor Königswinter-Zeugen) höchst effektvoll eine Verleumdungsklage Blacks überreicht. Dabei hatte der Mann kaum etwas anderes gesagt als aufgeklärte Briten und Deutsche seit Jahren. Freilich: Ein Gesandter muss auch höllisch geschickt sein, wenn er sich mit Zeitungen anlegen will, die sein Premierminister sorgfältig hofiert, weil er ihnen bald auch seinen zweiten Wahlsieg verdanken möchte.

Wie passt das nun zusammen: viel Ärger und gute Beziehungen? Ganz einfach: Die Beziehungen sind inzwischen so gut, dass sie manchen Ärger ohne Schaden aushalten

zumal da in Berlin wie in London inzwischen sozialdemokratisch geführte Regierungen amtieren, die gar nichts mehr von einer staatlichen Lenkung der Wirtschaft halten. Der herrschende Trend zur Modernisierung der Gesellschaften hat auch das Klima auf den Königswinter-Konferenzen verändert: Aus schottischen Friedenskämpfern wurden Nato-Generalsekretäre, aus Kämpfern gegen das Kapital Euro-Banker. Aber es bleiben Kontraste, über die sich zu reden lohnt: Die Deutschen haben den Euro, die Briten die Euro-Debatte. Auf den Deutschen lastet der Alb der Renten, auf den Briten das Gesundheitssystem

die Deutschen lassen den Staat die Krankenhäuser bauen und den Markt an der medizinischen Betreuung verdienen, die Briten wollen den Krankenhausbau privatisieren, aber lassen den Staat die Medizin bezahlen.

Ein Forum der Modernisierungsdebatte also, diese Konferenz - einer Modernisierungsdebatte mit unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich der Traditionen, Mentalitäten und Strukturen. Wirklichen Ärger bekommen die Deutschen nur - und dann nicht nur mit den Briten -, wenn sie weiterhin ihren Verteidigungshaushalt abmagern. Gegen solchen Ärger wäre dann selbst in Königswinter kein Kraut gewachsen.*