Erwachsene haben gern Wasserstandsmeldungen, wie es ihren Kindern geht.

Wie denkt und fühlt die Jugend in Deutschland zu Beginn des neuen Jahrtausends? Im Auftrag der Deutschen Shell AG, die solche Studien seit 1953 alle drei, vier Jahre anfertigen lässt, hat das Frankfurter Institut Psydata über 6000 Jugendliche befragt - nach ihren Ansichten zu Politik und den neuen Medien, zu Deutschland und Europa, aber auch nach ihrem Verhältnis zu den Eltern oder zur Religion, selbstverständlich fehlen auch die Fragen nach den Werten nicht oder wie die Jugendlichen ihre persönliche und die gesellschaftliche Zukunft einschätzen.

Fallen die Antworten der Kinder in solchen Umfragen zurückhaltend aus, ist meist erschrocken von einer pessimistischen Jugend die Rede. Zeigt diese ein eher positives Verhältnis zu all dem, was da kommen mag, wird gern von einer modernen, aufgeschlossenen Jugend gesprochen. Hält man sich an die Ergebnisse, dann waren die Jugendlichen vor drei Jahren überhaupt nicht gut drauf. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Die Werte sind gestiegen, die Hälfte aller Jugendlichen betrachtet ihre persönliche Zukunft "eher zuversichtlich", und was die gesellschaftliche Zukunft betrifft, so gilt das sogar für fast zwei Drittel der Befragten. Vor drei Jahren, als die 12.

Shell-Jugendstudie vorgelegt wurde, hatten lediglich 35 Prozent der jungen Leute einen zuversichtlichen Blick auf die Zukunft.

"Modernität und Menschlichkeit", so lautet eine der prägnantesten Formulierungen der Studie, sind etwa gleich stark besetzt, das bedeutet, die meisten Jugendlichen interessieren sich für die neuesten Techniken und treten gleichzeitig für eine sozial gerechte Umwelt ein. An die Stelle des früheren Entweder-oder ist ein Sowohl-als-auch getreten. Das politische Interesse der Jugendlichen befindet sich jedoch weiterhin im Sinkflug. Das hat nichts mit den so genannten Spendenskandalen zu tun, die Befragung der Jugendlichen fand im vergangenen Herbst statt. Besonders lehnen diejenigen den Politikbetrieb ab, denen die eigene Zukunft als belastet erscheint.

Vor allem hat das Vertrauen in nichtstaatliche Organisationen wie Umweltschutz- oder Menschenrechtsgruppen nachgelassen, im Osten Deutschlands geradezu erdrutschartig. Die ostdeutschen Jugendlichen sehen ihre Zukunft überhaupt sehr viel negativer als westdeutsche - mit Ausnahme der jungen ostdeutschen Frauen, die offensichtlich fest entschlossen sind, mit den Anforderungen, die an sie gestellt werden, fertig zu werden. Und trotz der Skepsis der jungen Ostdeutschen hält die Studie fest: "Aufs Ganze gesehen, sind die ostdeutschen Jugendlichen einsatzbereiter, höher motiviert und leistungsorientierter als die westdeutschen Jugendlichen."

Vor drei Jahren, anlässlich der letzten Shell-Studie, haben wir in dieser Zeitung bemängelt, dass die Untersuchung nur begrenzt ernst zu nehmen sei, da sie sich allein auf Jugendliche mit einem deutschen Pass beschränkte (ZEIT Nr. 21/97). Nun liegt erstmals eine Shell-Studie vor, die auch junge Ausländer in die Untersuchung mit einbezieht, ebenso wie Jugendliche, die eine doppelte Staatsbürgerschaft haben. Dabei ging es in der Studie nicht darum zu erfragen, was die Jugend von einer multikulturellen Gesellschaft hält, sie wollte herausfinden, wie viele deutsche und nichtdeutsche Jugendliche überhaupt miteinander zu tun haben. Das "tatsächliche Ausmaß des Miteinander" sollte ermittelt werden.