Im Ausland ist das "duale System" der deutschen Berufsausbildung noch ein Vorbild. Wer seinen Beruf in Schule und Betrieb erlernt hat, gilt als firm in Theorie und Praxis und einsetzbar in fast jedem Unternehmen der Branche. In anderen Ländern gründen Betriebe und Kammern ähnliche Ausbildungsgänge. In seiner Heimat aber, vor allem in den neuen Bundesländern, scheint das Modell nicht mehr zu funktionieren.

In ostdeutschen Unternehmen werden immer wenige Azubis ausgebildet - wegen der wirtschaftlich unsicheren Lage scheuen sich die Firmen, Kapital in Lehrlinge zu investieren. Der Staat springt mit Subventionen ein. Die Konsequenz: Immer mehr Ausbildungsplätze in den Betrieben hängen vom Staatsgeld ab. Das Land Sachsen-Anhalt förderte im Jahr 1993 mit Brüsseler Hilfe fast die Hälfte aller betrieblichen Lehrstellen. Heute hängen mehr als drei Viertel der Ausbildungsplätze am öffentlichen Tropf. Tendenz steigend - wie in den anderen neuen Bundesländern.

Sachsen-Anhalt - das Bundesland, das nach Berlin am meisten für die Ausbildungsförderung ausgibt - unterstützt jeden erstmalig ausbildenden Betrieb mit Prämien. Auch wer mehr Lehrlinge einstellt, als er braucht, Azubis aus Konkursbetrieben übernimmt, Mädchen in Männerberufen oder Behinderte ausbildet, bekommt Geld aus Landes- oder EU-Kassen. In den vergangenen Jahren sind die Ausgaben Sachsen-Anhalts für Ausbildungsförderung ständig gestiegen. Doch unterm Strich ist die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze gleich geblieben. Einziger Unterschied: Die Firmen lassen sich die Ausbildung jetzt bezahlen.

"Der Staat sitzt in der Förderfalle", sagt Burkart Lutz, Forschungsdirektor des Zentrums für Sozialforschung Halle (zsh). Zusammen mit seiner Kollegin Holle Grünert hat er die sachsen-anhaltinische Förderpolitik untersucht. Ihr Ergebnis: Sprudelt die zusätzliche Einnahmequelle spärlicher, könnten die Betriebe noch weniger ausbilden als bisher. Es könnten immer höhere Subventionen nötig sein, um die jetzige Zahl betrieblicher Lehrstellen zu halten.

Aber auch die Programme sind oft unübersichtlich und deshalb ineffektiv.

Jedes Bundesland vergibt seine Subventionen nach anderen Regeln, "und die ändern sich von Jahr zu Jahr", kritisiert zsh-Mann Lutz. "Die Betriebe in den neuen Bundesländern haben aber Besseres zu tun, als sich ständig um die neuesten Richtlinien zu kümmern." Viele fragen deshalb erst nach Fördermöglichkeiten, wenn sie ihren Ausbildungsvertrag bei der Industrie- und Handelskammer registrieren lassen. Andere erkundigen sich gar nicht - und bieten eben auch keine Lehrstelle an. Die Zahl der Bewerber nahm, anders als die der Lehrstellen, in den vergangenen Jahren ständig zu. Notgedrungen schuf der Staat immer mehr Ausbildungsplätze außerhalb der Betriebe, in Schulen und Lehrwerkstätten - in Ostdeutschland weit mehr als im Westen.

Ohne Vertrag, ohne Geld - auch ohne Chance?