Eile in Kenia? Nein, das passt nicht. Pole, pole! Langsam, langsam! Doch wenn Elefanten morgens um sieben quasi durch den Garten trampeln, macht Petra eine Ausnahme. Den Zoo vor der Haustür sollen ihre Gäste nicht verpassen, und deshalb werden wir einer nach dem anderen aus dem Schlaf geklopft. Von einer kleinen Ebene aus Vulkangestein blicken wir auf den gegen überliegenden Hang.

Drei Elefanten schieben sich dort gemächlich durch die Sträucher und hinterlassen ihre kugeligen Haufen, während im Hintergrund die Gipfel des Mount Kenya langsam in den Wolken verschwinden.

Urlaub in Afrika. Auf der Farm einer deutschen Familie, knapp 200 Kilometer nördlich von Nairobi, in den fruchtbaren Hochlagen Kenias, den White Highlands. Seit gut zwei Jahren wohnen Petra und Peter Allmendinger mit ihren vier Kindern in dem selbst entworfenen Haus auf einem Grundstück von 200 000 Quadratmetern. Strom liefert ein Generator - drei Stunden am Morgen, drei am Abend. Das Wasser wird aus 120 Meter Tiefe hochgepumpt. Außerdem gibt es zwei große Auffangbecken für das Regenwasser. Und das, sagt Petra, schmeckt am besten. Gefiltert natürlich. Von den Veranden auf beiden Seiten des Hauses geht der Blick auf die Aberdares und die schneebedeckten Gipfel des Mount Kenya. Dazwischen unendliche Weiten. Und manchmal eben vorbeiziehende Elefantenherden.

Segelfliegen über Kaffeefeldern Vor dreizehn Jahren kamen Petra und Peter mit ihren damals fünf und drei Jahre alten Töchtern Jessica und Sina nach Kenia. Peter bildete im Auftrag des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) Maurer am College aus, Petra übernahm später ein Frauenprojekt in Isiolo. Nach zwei Jahren war klar, dass sie in Kenia bleiben wollten. Die Deutschen, sagt Peter, sind so eng wie ihr Land. Der elfjährige Yves und die eineinhalbjährige Tessa wurden beide in Afrika geboren.

Die Projekte beim DED sind inzwischen beendet. Die Allmendingers haben sich selbstständig gemacht. Von einem Engländer haben sie den Segelflugclub im 14 Kilometer entfernten Mweiga übernommen. In ihrem neuen Zuhause können sie Urlauber nicht nur in zwei großen Gästezimmern, sondern auch in den Gästehäusern neben der Farm beherbergen.

Treffpunkt Frühstückstisch. Auf der Veranda warten frisch gebackenes Brot, Müsli, Ananas, Papayas, Mangos. Die Runde am langen Holztisch ist groß, für Allmendinger Verhältnisse jedoch ziemlich ruhig. Nur drei Kinder zwischen elf Erwachsenen. Wenn die Schulferien in Deutschland beginnen, wird es turbulenter. Nun sitzen außer Tessa noch die beiden Söhne von Hermann und Dietlinde aus Berlin am Tisch. Der zweijährige Patrick und der vierjährige Lars schauen skeptisch auf die schnuppernden Schnauzen der Hunde Emmy und Josie, die sich frech, aber geschickt ihren Teil vom Essen erschleichen und es sich anschließend unterm Tisch zwischen unseren Beinen bequem machen.

Wie die meisten Gäste ist Hermann im Internet auf Familienurlaub und Segelfliegen in Kenia gestoßen. Zwei Monate ist das her. Als Segelflieger wollte er immer schon nach Afrika, doch Dietlinde wehrte ab. Mit Kindern nach Afrika? Hier aber wurde Urlaub mit der Familie bei einer Familie angeboten.