Luis Buñuel: Objekte der Begierde hrsg. von Heinrich v. Berenberg Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2000 192 S., Abb., 22,80 DM Ein Buñuel-Lesebuch, recht unseriös zusammengeschustert aus unterschiedlichen Quellen, aber trotzdem unbedingt als Einführung zu empfehlen in die Gedankenwelt des Regisseurs und seine unbegrenzte Fähigkeit zur politischen Inkorrektheit. Buñuel ist immer maßvoll im Ton, trügerisch sanft und zutraulich, aber boshaft in der Sache. Über seine, die Moral der Surrealisten sagt er: "Sie propagierte die Leidenschaft, die Mystifikation, die Beleidigung, das Hohngelächter, den Ruf aus den Tiefen." Das ist schön.

Luøs de Camäes: Os Lusadas/Die Lusiaden aus dem Portugiesischen von Hans Joachim Schaeffer, herausgegeben von Rafael Arnold 2. Aufl.

Elfenbein Verlag, Heidelberg 2000 658 S., 128,- DM Von den Lusiaden, dem avanciertesten Nationalepos der Neuzeit, war bis vor kurzem nur eine Auswahl in deutscher Übersetzung zu haben. Die beste Übertragung gelang einem Gelehrten des 19. Jahrhunderts ins Lateinische und in der Tat, ohne Lateinkenntnis wird man den Witz nicht ausschöpfen können, nämlich den Nachbau von Vergils Aeneis mit portugiesischen Sprachmitteln und Kolonialerfahrungen. Wie bastele ich ein Weltreich, lautet der poetologische, bald pathetische, bald parodistische Leitgedanke des Dichters. Jetzt kann man den Nachvollzug auf Deutsch versuchen sprachlich zumindest ist er schon gelungen.