Auf einmal war Deutschland wieder zweigeteilt. Vom "Wutaufstand der B-Menschen" berichtete Volkes Stimme Bild

der Spiegel textete flugs "Apartheid-Banking". Und die, die alles verursacht hatten, ruderten eifrig zurück: Aufgegeben habe die Dresdner ihren Plan, sich nach der Fusion mit der Deutschen Bank vom Geschäft mit den Kleinkunden zu trennen und Otto Normalsparer in die Bank 24 abzuschieben, meldete Reuters nach einen Gespräch mit Dresdner-Bank-Vorstand Joachim von Harbou. Irrtum: So hatte von Harbou das nicht gemeint. Die Dresdner halte an ihren Plänen fest, hieß es wenig später in einer zweiten Meldung. Unverändert sollen 3,9 Millionen Privatkunden in die Bank 24 "übergeleitet" werden - nur zwingen möchte man niemanden.

"Überzeugen" wolle man stattdessen die Kleinkunden, beteuert von Harbou. Die vorher bereitwillig kommunizierte Messlatte für die Auslese zwischen "A- und B-Menschen" - ein Geldvermögen von 200 000 Mark bei Privatkunden, bei Firmenkunden ein Umsatz von fünf Millionen Mark - gilt nur noch als "Richtwert".

Ob sich der Imageschaden auf diese Weise reparieren lässt, ist fraglich.

"Einen so stümperhaften Umgang mit den Kunden und den eigenen Mitarbeitern habe ich noch nicht erlebt", sagt Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg. Und warnt: "Ein Bankkunde, den man einmal verärgert hat, kommt nicht wieder". Schon haftet der Bank 24, die später an die Börse gebracht werden soll, das Stigma eines Auffangbeckens für ungeliebte Kunden, einer Billigbank, an. Selbst auf Direktorenebene der Dresdner Bank stöhnt man: "Der Ruf ist ruiniert."

Dabei gehört das Zwei-Klassen-Prinzip seit eh und je zum Bankgeschäft. Die Finanzinstitute - von der kleinen Sparkasse bis zur Großbank - unterscheiden sorgfältig zwischen "guten" und "schlechten" Kunden. Nur stellen sie die Normalverdiener nicht derart bloß, wie es durch die Ausgliederung in die Bank 24 jetzt geschieht. Im feinen Finanzgewerbe sortiert man gewöhnlich diskreter. Oft wissen die Kunden selbst nichts davon. Bei der Dresdner Bank wird schon seit Jahren intern zwischen so genannten "Vermögensberatungskunden" und Otto Normalsparer unterschieden. Und zwar anhand der gleichen Vermögensgrenzen, wie sie jetzt im Rahmen der Fusionspläne genannt wurden. Auch bei der Commerzbank gibt es eine Schublade für die gehobeneren "Individualkunden" und eine für die Normalos, die "Privatkunden" - die inoffizielle Grenze verläuft bei etwa 5000 Mark monatlichem Nettoeinkommen.

Die Filialmitarbeiter der HypoVereinsbank erkennen mit einem Blick auf ihrem Computerbildschirm, ob sie einen wenig lukrativen "Universalkunden" oder einen "Individualkunden" vor sich haben. Dazu liefert ihnen die EDV - darauf ist man intern besonders stolz - neben der obligatorischen Übersicht über Konten und Depots auch noch den Deckungsbeitrag, eine betriebswirtschaftliche Kennziffer, die angibt, was der einzelne Kunde zum Unternehmensgewinn beisteuert.