Robert T-Online heißt im wirklichen Leben Robert Tomaszeski. Er lebt in Berlin und studiert im achten Semester Medizin. Unter www.robert-t-online.de stellt er Cartoons und etwas anstößige Bilder ins Netz. Dieser Spaß soll jetzt ein Ende haben. Die Deutsche Telekom hat dem Studenten vergangene Woche eine Abmahnung geschickt. Eine peinliche Panne in der Werbekampagne für den Börsengang der Telekom-Tochter T-Online: Das Unternehmen vergaß ganz einfach, sich für seine Werbefigur rechtzeitig eine Internet-Adresse zu reservieren.

Der selbst ernannte Web-Insider Robert T-Online hat damit noch nicht einmal eine eigene Seite im Netz.

Das ist nur ein Detail - eines von vielen aber, die zusammengenommen nahe legen: Die Vorbereitungen des Börsengangs von T-Online verlaufen zeitweise alles andere als optimal. Statt eine klare Strategie und harte Fakten zu präsentieren, lavierte das Unternehmen wochenlang herum, ließ wilde Spekulationen über den Aktienpreis zu und viele Fragen offen. Und das PR-Gesäusel von Robert T-Online war nicht einmal originell: "Das Internet boomt. Was boomt wohl noch mehr? Richtig, T-Online." Ob der virtuelle Robert mit der gelben Fönwelle Recht bekommt, ist zurzeit mehr als fraglich. Die Stimmung an den Börsen ist umgeschlagen. Die Folge: Internet- und Technologiewerte, noch vor wenigen Wochen fast ein Garant für Kursgewinne, werden plötzlich skeptisch beäugt. Jede Menge Luft entweicht der Spekulationsblase. Die Telekom hat damit einen denkbar schlechten Zeitpunkt für den Börsengang ihrer Tochter erwischt.

"Durch das aktuelle Marktumfeld lassen wir uns aber nicht beeinflussen", sagte Telekom-Chef Ron Sommer noch am Montag. Doch die Botschaft der Aktienmärkte ist offenbar angekommen. "Es ist die mieseste Phase des letzten halben Jahres. Und damit keine passende Gelegenheit, um bei einer Neuemission die Preise auszureizen", sagt Heiko Bienek, Chefanalyst bei Independent Research. Die so genannte Bookbuilding-Spanne für T-Online-Papiere liegt jetzt auch nur noch zwischen 26 und 32 Euro, während vorher über bis zu 50 Euro pro Aktie spekuliert wurde.

Der Poker um die Preisspanne und die spärlichen Informationen haben Fondsmanager und Anlegerschützer erzürnt. Da war von purer Geldgier die Rede, Tricks und fragwürdigen Manövern. "Die Anleger so lange im Unklaren zu lassen, das ist nicht die feine Art", sagt Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Andererseits sei es umso geschickter, den Preis so niedrig anzusetzen. Straub: "Das sieht so aus, als ob T-Online seine Anleger nicht schröpfen wollte."

Seit vergangenem Montag läuft die Frist, in der Anleger T-Online-Aktien ordern können. Endlich gab es auch den Verkaufsprospekt, der über Chancen und Risiken der Aktie aufklärt, sowie einige der dringend erwarteten Informationen liefert. Vom 17. April an werden die Papiere am Neuen Markt gehandelt, dem Börsensegment für junge und innovative Unternehmen. Die Hälfte der insgesamt 100 Millionen Aktien geht an private Kaufinteressenten.

Die Antwort auf eine Frage aber, die Anleger ganz besonders interessiert, bleibt noch immer offen: Nach welchem Verfahren werden die Aktien zugeteilt?