Personell hat die CDU aus ihrer Finanz-Affäre Konsequenzen gezogen.

Wolfgang Schäuble ist das Opfer, Angela Merkel, Friedrich Merz und Ruprecht Polenz stehen künftig an der Spitze von Partei und Fraktion. Ruprecht wer?

Ein Bekannter ist er nicht, keiner mit gewachsener Autorität. Und dennoch muss das kein Schade sein.

Polenz, dem 53-jährigen Juristen und Außenpolitiker, wird eine gestandene, liberale Weltsicht nachgerühmt. Seine Partei kann das brauchen. Liberal in der Union, was heißt das? In der Kohl-Affäre hat Polenz nicht scheinheilig für die "brutalstmögliche", sondern ernsthaft für eine lückenlose Aufklärung plädiert. Sonst werde es die Union am Ende dieser Krise vielleicht nicht mehr geben. Ernst genommen hat er das defizitäre Rechtsstaatsbewusstsein und das ausgedörrte demokratische Innenleben der CDU. An dieser Baustelle hat der künftige "General" ungeheuer viel zu renovieren. Kein noch so guter Sekretär an der Spitze kann das allein, aber er kann viel - wie die Beispiele von Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler belegen.

Liberal heißt substanziell: in den Streitfragen, in denen das bürgerliche Milieu sich besonders schwer tut, im Zweifel gegen die öffentlichen Ressentiments Position beziehen. Also in Sachen Minderheiten, Integration von Ausländern, im Streit um Flüchtlinge, Staatsbürgerrechte und Menschenrechte.

Das enthält eine Absage an das Nationalkonservative sowie an den versteckten Haiderismus, den Jürgen Rüttgers, Polenz' Landesvorsitzender, und andere längst bedienen. Liberal heißt auch: Die Debatte über Europa, die Kohl nie führen wollte, so zu betreiben, dass Ängste und Vorurteile nicht geschürt, sondern abgebaut werden. Die Europapartei CDU kann es nicht als Neuanfang deklarieren, wenn sie sich dieser Vergangenheit schlicht entledigt. Die Neigung zum Opportunismus aus schierer Desorientierung ist derzeit groß.

Polenz ist zuzutrauen, dass er sich nicht treiben lässt, sondern gegensteuert. So wie Angela Merkel hoffentlich auch.