Wie schick das alles aussieht, und wie fein das in Szene gesetzt ist. Kino!

Können! Kamera! Hier hat einer sein Handwerk gelernt und zeigt es. Bleibt immer in Bewegung, jongliert mutig mit Perspektiven und Einstellungsgrößen und achtet nebenbei auch auf die richtige Farbe und den dazugehörigen Beat.

Nur wozu? Marcus O. Rosenmüllers Kinodebüt Der tote Taucher im Wald pflügt durch unfruchtbares Gelände, denn im Grunde kommt es dem Regisseur nur aufs Schaupflügen an, der Boden zählt gar nicht. Rosenmüller (36) hat in den letzten zehn Jahren haufenweise Musikvideos und Werbeclips inszeniert, Fernsehshows und eine sehr erfolgreiche Produktionsfirma geleitet. Jetzt sollte es endlich einmal Kino sein und auch so aussehen. Ja, es ist vollbracht, aber nichts als das. Für eine Geschichte fehlte wohl die Geduld oder einfach das Interesse. Deshalb trägt der Film auch bis heute seinen Arbeitstitel. Der tote Taucher im Wald, das bezieht sich auf eine dieser modernen Legenden, von denen niemand weiß, ob sie tatsächlich auf eine wahre Begebenheit zurückgehen: Im Wald wird ein Toter im Tauchanzug gefunden (wie kann das sein?), ein Löschflugzeug hat ihn beim Tanken auf einem See eingesogen und ihn dann abgeworfen im Waldbrandgebiet. Darum herum hat Rosenmüller einen Krimi gestrickt, in dem zwei Kommissare (jung und alt) gegeneinander arbeiten, in dem sich ein smarter Pilot als Mörder entpuppt und in dem es auch eine Blondine gibt fürs Begehren am Rande. Das Ganze spielt im tiefsten Ostdeutschland, weil's da doch besonders urig zugeht. Der Regisseur ist ein Fan von Fargo und wollte selbst einen "lakonischen Flachlandthriller" drehen. Produzent Werner Koenig preist das Debüt seines Freundes als "Lehrlings-, Gesellen- und Meisterprüfung" in einem. Nun gut, die Handwerkskammer hat keine Einwände. Rosenmüller ist reif für die Arbeit an weiteren hundert Werbeclips.