Seitdem es Ikea gibt, muss man sich das ganz andere Leben nicht mehr mühsam selbst zusammenzimmern. Stattdessen setzt man sich ins Auto, fährt hinaus zu einem dieser gelben Großcontainer und folgt dem Versprechen auf Individualität per Selbstabholung. Zumindest damals, als Ikea vor 25 Jahren die erste deutsche Filiale eröffnete, waren Kellerregal und Kiefernsessel noch Symbole des Widerstands. Das Bestehende wurde entrümpelt und das Beständige durch Inbus-Flexibilität ersetzt. Möbel hießen Billy, Bork oder Klippan - freundliche Wohngemeinschaftsgenossen, von denen man sich an der nächsten Lebensbiegung auch gern wieder trennte. Noch einmal zu sehen sind diese Relikte der Kurzlebigkeit jetzt im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst (bis 24. April danach Berlin, Hamburg). Unter dem hochgreifenden Titel Democratic Design wandert diese Ausstellung durchs Land und verwandelt die Museumsräume in Abspielflächen eines Großkonzerns. Nichts wird befragt, nichts hinterleuchtet, denn Ikea selbst durfte die Werbeschau konzipieren, und dummdreist feiern sich dort die Möbelmacher als Menschheitsbeglücker.

Selbst der aktuelle Katalog wird zum Ausstellungsstück. Da darf sich das Museum künftig auf viele freundliche Angebote freuen Braun wird vor der Tür stehen mit seinen Rasierapparaten und Krups mit seinen Toastern. Einen neuen Namen bringen sie auch gleich mit: Museum für angewandte Produktpräsentation.