In Berlin gibt es zurzeit zwei Sorten von Rentenpolitik: Eine wird für Fernsehkameras und für Plenardebatten gemacht. Da gilt das Prinzip Attacke.

Dann gibt es noch die Politik der Geheimabsprachen und der Hinterzimmer. Da gilt das Prinzip Konsens.

Bis zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl Mitte Mai, so die Absprache der großen Parteien, werden sich Regierung und Opposition pflichtgemäß wegen ihrer angeblich verfehlten Rentenpolitik beschimpfen. Einer anschließenden Einigung im Sommer steht das nach Ansicht aller Beteiligten aber nicht im Weg.

Trotz des Rentenstillstands beschäftigt die drohende Vergreisung in diesen Tagen ungewöhnlich viele Politiker. Die Green-Card-Debatte hat in Erinnerung gerufen, dass Deutschland mittelfristig vor einem Arbeitskräftemangel stehen könnte. Außerdem macht die Union mit dem Thema Stimmung: Vor einer "dramatischen Kostenentwicklung" bei der Kranken- und Pflegeversicherung warnt zum Beispiel Dieter Murmann vom CDU-Wirtschaftsrat. Schon kursieren Horrorszenarien, wonach sich der Beitrag zur Krankenkasse bis zum Jahr 2030 nahezu verdoppelt.

Die grüne Gesundheitsministerin Andrea Fischer ist in einer schwierigen Situation. Als Oppositionspolitikerin hat sie jahrelang selbst vor den Folgen des demografischen Wandels gewarnt. Die Sozialsysteme auch für künftige Generationen attraktiv zu machen erklärte sie zum urgrünen Anliegen. Dem früheren Arbeitsminister Norbert Blüm warf sie vor, er beschönige die Situation. Nun muss die Ministerin sich entscheiden, ob sie ähnliche Vorwürfe auf sich lenken will oder ob sie die neuen Katastrophenszenarien ernst nimmt.

Das würde einen härteren Sparkurs oder höhere Abgaben als zuvor erfordern.