die zeit: Frau Fischer, haben Sie manchmal Angst vor dem Alter?

Andrea Fischer: Zumindest beschäftigt mich die Frage, wie meine Generation im Rentenalter leben wird. Als 40-Jährige gehöre ich zu den so genannten geburtenstarken Jahrgängen, und wenn in Prognosen von einem Rentnerberg die Rede ist, dann geht es um eine Zukunftsbeschreibung für meine Generation. Wie wird es sein, wenn es plötzlich so viel mehr alte Menschen gibt? Wie ändern sich das Straßenbild, die Wohnungen und auch die innere Verfassung eines Landes? Ich gehe davon aus, dass wir wegen der Veränderung in der Erwerbsbevölkerung in einigen Jahren eine ganz neue Debatte über Zuwanderung bekommen. Die heutige Green-Card-Diskussion werden wir dann belächeln.

zeit: Unionspolitiker behaupten, der Alterungsprozess erschüttere auch das Gesundheitssystem. Sind Prognosen realistisch, wonach die Beiträge auf bis zu 25 Prozent im Jahr 2030 steigen werden?

Fischer: Der Sachverständigenrat der alten Bundesregierung kam vor einigen Jahren zu einem völlig anderen Ergebnis: Danach sind die Gesundheitskosten am höchsten im letzten Jahr vor dem Tod - demnach wäre es für die Ausgaben der Krankenversicherung ohne Folgen, ob die Gesellschaft altert. Andere Prognosen unterstellen sogar Einspareffekte durch den technischen Fortschritt.

zeit: Der Wirtschaftsweise Bert Rürup behauptet, das Demografieproblem habe im Gesundheitswesen schlimmere Folgen als bei der Rente, weil sich drei Prozesse gegenseitig verstärkten: Erstens fielen die Einnahmen niedriger aus, wenn es mehr Rentner und weniger Erwerbstätige gebe. Zweitens seien die Gesundheitskosten für Alte höher. Drittens sorge die steigende Rentnerzahl für eine Vielzahl teurer Innovationen im Gesundheitssystem.

Fischer: Spontan leuchten mir solche Szenarien zwar ein, aber verrückterweise gibt es bisher wenig empirisches Material, das all dies belegt. Ich will die Situation aber auch nicht schönreden. In der Rentendebatte sind die demografischen Probleme zu lange verharmlost worden. In meinen Oppositionsjahren habe ich das immer kritisiert. Bis wir gemeinsam mit Experten zu einem einheitlicheren Bild kommen, müssen auch die pessimistischen Prognosen in der Politik berücksichtigt werden.

zeit: Was folgt daraus?