Mareike Dieter arbeitet in der Wäscheabteilung eines großen Stuttgarter Kaufhauses. Ist die Abteilungsleiterin, ihre Vorgesetzte, einmal krank oder im Urlaub, teilt sie das Personal ein und bestimmt, wann wer Pause macht. Dabei ist Mareike erst 21. Und noch in der Lehre. Aber Mareike Dieter ist keine normale Auszubildende.

Sonja Gertitschke arbeitet zurzeit in der Bibliothek. Viele Stunden verbringt sie dort und bereitet ihre Diplomarbeit über Suchtprävention vor. Dabei ist sie erst im fünften Semester. Aber Sonja ist keine normale Studentin.

Die Vorlesungen werden meist von Praktikern gehalten

An acht Standorten gibt es dort heute die staatlichen Studienakademien. Sie bieten Ausbildungen in drei Bereichen an: Wirtschaft, Technik und Sozialwesen. Mareike Dieter beispielsweise hat sich im Fach Wirtschaft für das Spezialgebiet Einzelhandel entschieden. Sie hätte sich aber auch auf Finanzwirtschaft, internationales Marketing oder eine der anderen 18 Fachrichtungen des Bereichs Wirtschaft konzentrieren können. Mehr als 14 500 Studenten waren 1999 an baden-württembergischen BAs eingeschrieben. Etwa 40 Prozent von ihnen stammen aus anderen Bundesländern.

Das Besondere einer Berufsakademie ist die Kombination von Berufsausbildung und Studium, die Verbindung von Theorie und Praxis. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einem Diplom, das formal einem Fachhochschulabschluss gleichgestellt ist. Das gilt allerdings nur für die Berufsakademien in Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und Berlin. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und im Saarland gibt es zwar Einrichtungen gleichen Namens, doch diese sind nicht berechtigt, Diplome und damit einen Abschluss auf FH-Niveau zu vergeben.

Als Sonja ihr Abitur in der Tasche hatte, lagen 14 Jahre Pauken hinter ihr. "Auf Uni oder FH hatte ich keinen Bock", sagt sie. Mareike wollte eigentlich Mathematik studieren, "aber das erschien mir zu lang, und außerdem wusste ich nicht, was ich danach machen sollte". Drei Jahre Studium schienen den beiden überschaubar, und die Aussicht, dabei sogar noch Geld zu verdienen, war verlockend - auch wenn mit 1000 Mark netto im Monat niemand reich wird.

Das System Berufsakademie besteht aus zwei Säulen. Zum einen wird es von Unternehmen und sozialen Einrichtungen getragen, zum anderen von den staatlichen Studienakademien. Wer an einer BA studieren will, muss zuerst einen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung ergattern. Erst mit einer Ausbildungszusage in der Tasche erhält man auch einen Studienplatz an einer der staatlichen Akademien.