Macintosh-Folk

von Pinky Rose

Mit dem Fahrstuhl durch ein imaginäres Rundfunkmuseum. 48 Etagen, und überall öffnet sich die Tür nur kurz. Überall spielen die Geräte verrückt, schnarren Abspielautomaten aus der Tonspur, springen zurück zu Punkt X.

Nostalgische Melodien verstummen knisternd, knurrend, seufzend, hauchen unversehens ihre Geschichte aus in kleinen Geräuschen, die ganz andere, neue Geschichten erzählen. Doch nichts wirkt hier albtraumhaft, nichts museal.

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Eine seltsam feierliche Stimmung umweht die Klangfetzen, und die schnellen Wechsel verbreiten wunderbares Entrücktsein. Digitalanaloge Stimmungsmusik (Mille Plateaux 84/EFA 08084-2) nennt der österreichische Multimediakünstler Curd Duca den dritten Teil seiner CD-Serie Elevator im Untertitel - und wie in einem Kaleidoskop schleudern die akustischen Bruchstückchen in digitalen Synthesevorgängen umeinander. Doch als wollten sie sich der Geschwindigkeit der Drehungen widersetzen, laufen viele von den analogen Musikausschnitten in verzerrter Tonhöhe - ganz langsam und tief, spektral zerdehnt. Leise Swing-Motive erscheinen wie eine Vision, zu flüchtig, um sie zu deuten, kaum erkennbar taumeln Krimi-Soundtracks vorbei. Und doch ist in den 48 Miniaturen genau das drin, was in den Titeln steht, ob car, macintosh suite, giant swing, alpine bells oder gunshot. Verzaubert wird der Hörer gewahr, wie Poperinnerungen an den hyperaktiven Parametern des Mediums Computer zerschellen - um als digitaler Folk aufs Neue die Kriterien an Musik, Gefühl, Atmosphäre zu erfüllen. Restlos in Verzückung versetzt eine warme Frauenstimme, die nachträglich und original zu einigen der Geräuschszenarien singt, ihr Timbre über Samples und Synthesen legt - Sehnsucht!

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