Gute Weiße, schlechte Weiße

Nicht die Hautfarbe ist in Simbabwe das Problem, sondern der Rassismus des Regimes

Harare

Cecil John Rhodes, dessen Kompagnie im Jahre 1890 nach Simbabwe vordrang, warb mit dem Slogan: "Zieh mit mir, ich mach dich zum Millionär!" Damals verwendete er seine Zeit darauf, in Südafrika, wo er Premierminister der Kapprovinz war, Abenteurer zu rekrutieren. Als er es schließlich geschafft hatte, sich des Engagements von ungefähr eintausend "Pionieren" zu versichern, besaß er zudem die Dreistigkeit, dem Land, das heute Simbabwe heißt, seinen eigenen Namen zu verpassen: Rhodesien. Und seine Kompagnie war die British South Africa Company. Zu guter Letzt rief er noch eine Sicherheitsgesellschaft ins Leben, die den Besitz seiner Kompagnie schützen sollte. Kurz: Simbabwe wurde von einem Privatunternehmen kolonisiert und war das Eigentum eines Einzelnen.

Für die Weißen, die nach Rhodesien kamen, war es sonnenklar, warum sie sich in diesem Land niederließen. Sie versuchten, Gold zu schürfen und andere wertvolle Gesteine abzubauen. Doch das rentierte sich nicht. Dann entdeckten sie, dass der Boden das eigentliche Gold des Landes barg, und probierten eine Feldfrucht nach der anderen aus, bis sie schließlich herausfanden, dass der Tabak das eigentliche Gold war. Deshalb wird Tabak aus Simbabwe auch als "das goldene Blatt" bezeichnet.

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Für die Schwarzen war die koloniale Erfahrung bitter und abscheulich. Die Klassenstruktur des Landes war eindeutig: An der Spitze standen die Weißen, dann kamen die Asiaten und die Farbigen, erst danach die Schwarzen. Jeder kannte seinen Platz. Es war klar, wer welches Geld verdiente, und sogar, wem es an welchem Ort erlaubt war, etwas zu trinken. Rhodesien war die Miniaturausgabe der Apartheid in einem kleinen Land.

Es kam das Jahr 1980 und mit ihm die Blume der Unabhängigkeit. Die Freiheit war da. Jetzt war Zeit zu feiern. Die Dichter taten das mit Gedichten. 1981 gaben Musaemura Zimunya und Mudereri Kadhani eine Lyrikanthologie mit dem Titel And now the poets speak heraus. In diesem Buch war jeder ein Dichter: Gewerkschafter, Pfarrer, Pastoren, Propheten, Lehrer, Politiker - und alle anderen auch. Ihre Stimmen verkündeten unsere Ankunft in der eigenen Würde. Jetzt endlich konnten wir unsere Geschichte mit eigenen Worten schreiben.

Und warum auch nicht? Premierminister Robert Mugabe hatte gesagt, Simbabwe sei nun unser Land, unser aller Land. Das Land der Weißen und der Schwarzen, der Coloureds und der Asiaten. Denn schließlich waren wir alle, von irgendwoher kommend, hier angelangt. Auf der Suche nach einem Ort zum Leben, an dem wir das Land bestellen und in Frieden unsere Träume träumen konnten. Wir waren zu unterschiedlichen Zeiten hier angelangt, und dennoch gehörte uns dieses Land gemeinsam: Das war die Botschaft, die Mugabe der Bevölkerung verkündete. Und das Volk meinte, es sei nicht länger nötig, neue Bäume des Hasses zu pflanzen.

Die meisten Weißen nahmen Mugabes Botschaft als höfliche Geste und als Beitrag zu unserem gemeinsamen und vielschichtigen Schicksal. Andererseits besaßen sie noch immer ihre Farmen und kamen zu dem Urteil, dass die zur Versöhnung ausgestreckte Hand ihnen bedeuten sollte, dass alles so weitergehen werde wie bisher. Ich erinnere mich an einen Farmer, der mich fragte, ob ich während des Krieges Freiheitskämpfer gewesen sei. Als ich verneinte, atmete er auf. Er versicherte mir, dass es wegen des Krieges unter den weißen Farmern viel Leid gegeben hatte. Ich fragte ihn, wie viele Verwandte er während des Befreiungskrieges verloren habe. Es waren sein Sohn und ein paar Freunde. Er fühlte gar nichts, als ich ihm erzählte, dass Dutzende und Aberdutzende meiner Verwandten, Brüder und Schwestern im Krieg umgekommen waren. Ich meinte, es sei nicht die Zeit, die Verletzungen aufzurechnen. Wir sollten unser Leben leben und erkennen, dass das Aufreißen alter Wunden nur unnötige Bitterkeit bringt. Der Mann ließ sich nicht überzeugen. Mir schien, dass er das Blut seines Sohnes höher bewertete als das Blut meiner Brüder und Schwestern.

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