Selig zwischen Berg und Strand
Bunt. Neugierig. Geschäftstüchtig. Die zwei Gesichter einer Stadt, 5. Folge: Barcelona. Unterwegs mit Joan Bayén, dem Herrn der Markthalle, und Neus, der Reporterin
Wer nach Barcelona fliegt, sollte frühzeitig am Flughafen sein. Und einen Fensterplatz auf der rechten Seite verlangen. Wenn alles klappt, wird er die Stadt schon im Landeanflug verstehen.
Vorne das Meer: der Hafen, die Fährterminals. Und Strände, Strände, Strände, nur unterbrochen vom Olympischen Hafen mit den beiden markanten Hochhäusern. Dann die Altstadt: ein Häusergewirr, dicht an dicht, durchschnitten von einem geraden Straßenzug, den Ramblas. Dahinter die Neustadt, das »Eixample«: breite Straßen im rechten Winkel, quadratische Häuserblocks, irgendwo im rechten Teil acht gewaltige Türme - die Baustelle der Kirche Sagrada Família.
Die Berge umarmen Barcelona, bedrängen es, engen es ein, geben ihm Halt. Die Berge sind dafür verantwortlich, dass sich Barcelona nicht ausbreiten kann, dass seine Wohnungen teuer und winzig sind. Aber auch dafür, dass die Stadt so lebendig ist. Weil überall Menschen wohnen, es keine tote Innenstadt gibt wie sonst allerorts auf der Welt.
Und vom Meer kommen die Weltoffenheit, die Neugier, der Kaufmannsgeist. Die Vielfalt der katalanischen Küche. Die Üppigkeit.
Ankommen in Barcelona, das ist wie Aufatmen. Obwohl die Luft in den Straßen - zugegeben - meist nicht soo gut ist. Aber die Leichtigkeit dieser Flughafenarchitektur! Die Palmen! Die Temperatur: eben doch ein paar Grad höher als in Norddeutschland. Das Gewusel auf der Plaça de Catalunya! Und natürlich die Freunde, die mich erwarten, auf dem Flughafen oder spätestens im Hotel. Umarmungen, Küsse. »Wie geht's?« - »Gut natürlich, jetzt wo ich wieder hier bin!«
Später ein erster Spaziergang. Zum Beispiel: den Passeig de Gràcia hinauf und die Rambla de Catalunya hinunter. Vorbei an den unglaublichsten Fassaden, die der Jugendstil in der Stadt hinterlassen hat. Auf Straßen, die für Flaneure gebaut sind und nicht für Autos, sogar mit einem alleengesäumten Bürgersteig in der Mitte. Zwischen den Fahrbahnen.
Oder durch das Portal de l'Angel (allein dieser Name: Engelstor!) und immer schmaler werdende Gassen zur Kathedrale und weiter zu den Ramblas. Und an jeder Ecke ein Laden, der sich der weltweiten Benettonisierung widersetzt: ein Hutladen, eine Apotheke, eine Konditorei, die Xarcutería La Pineda, in der der Himmel voller Würste hängt und voller Schinken.
- Datum 04.05.2000 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 2000
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