Der KlassenkasperSeite 2/2

Wichtiger als das Lernen war in den letzten Schuljahren die Vorbereitung auf meine Schauspielerkarriere. Ich war der offizielle Schul-Entertainer, habe das Schultheater geleitet. Außerdem bin ich ständig von Nürtingen, wo ich wohnte, nach Stuttgart ins Theater gefahren. Sobald ein Schauspieler dort einen neuen stimmlichen Manierismus draufhatte, habe ich den imitiert.

Dass ich die Aufnahmeprüfung für die Stuttgarter Schauspielschule bestehen würde, habe ich nie bezweifelt. Von 80 Bewerbern wurden 4 ausgewählt, ich war dabei. Meine Kollegen dort hielten mich für oberflächlich. Es war damals in, nicht sprechen zu können und ständig Heulkrämpfe zu haben. Doch ich wollte schon da ganz vorne stehen, viel Licht und die meisten Lacher haben.

Die Ausbildung dauerte drei Jahre: Gruppen- und Einzelunterricht, Körpertraining, Improvisation, Sprechtraining. Ich fand das toll und wichtig. Aber ich denke, ich wäre heute nicht der, der ich bin, ohne meine Erfahrungen aus der Schulzeit. Eigentlich verwerte ich die Beobachtungen von damals permanent in meiner Show: versoffene Zahnarztfrauen, verpisste Damentoiletten auf dem Ausflug der katholischen Kirchengemeinde, die Pauker, die Streber - alles. Man muss das selbst mitgemacht haben, um es später verspotten zu können. Nicht ohne Grund gibt es keinen Komiker, der aus der Oberschicht kommt.

Aufgezeichnet von Sigrun Albert

 
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