Hilfe, ich war in einer Boyband!

Benjamin Boyce möchte Caught in the Act vergessen, die Fans nicht. Sie glauben weiter an ihren Teeniestar

Siebzehn, dann ist es meistens aus. Boybands, nach Maß geschneidert, sind was für 9- bis 16-jährige, Mädchen meist. Später wollen sie lieber was anderes hören. Jedoch: Mindestens 80 müsste ein Mädchen sein, um nicht mehr »süüß!« zu rufen, wenn es Benjamin Boyce sieht. 80, das dürfte genügen, 60 eher nicht. Dazu sieht Benjamin Boyce einfach zu süß aus. Diese Stupsnase, dieser kleine, drahtige Körper, dieses Lausbubenlächeln, dieser weiche Mund, diese braunen Augen. Und so artig kommt er daher mit seinem Motorradhelm in der Hand, der Windjacke, den Jeans, dem Sweatshirt, dem roten Cap. »Hey, Ben!« So rufen sie ihn.

Mag sein, die 60-Jährigen wissen nicht, wer Benjamin Boyce ist. Die 9- bis 16-Jährigen sicher. Sie sind enttäuscht, sie sind böse. Ben hat vor knapp zwei Jahren die Boyband Caught in the Act verlassen. CITA, wie die Mädchen sagen, die »Hey, Ben, ich liebe dich!« riefen und Teddybären auf die Bühne schmissen. Ben will es jetzt allein versuchen, ohne Bastiaan, Eloy und Lee - kein Love is Everywhere mehr, sondern Texte, die mehr mit ihm zu tun haben, sagt er. Also nicht: Junge wartet auf Mädchen im Mondschein, das Mädchen kommt und mit ihm das Glück. Oder: Junge wartet auf Mädchen im Mondschein, Mädchen kommt nicht, dafür das Unglück.

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»Die Plattenfirma ist nicht glücklich«, gibt Boyce zu. »Ich glaube, die Musik war zu schwierig. Und die Leute sagten: ,Die Musik ist gut, aber wir nehmen ihm das nicht ab.' Schließlich sehen sie auf dem Cover das grinsende Gesicht von einem, den sie aus einer Boyband kennen. Sie wollen, dass ich musikalisch ihre Erwartungen erfülle. Sie denken, ich bin so, wie ich aussehe.«

Benjamin Boyce macht es einem schwer, das Gegenteil zu denken. Da hilft auch der neue Kurzhaarschnitt nichts und die Anzüge, in denen er sich neuerdings vor der Kamera zeigt statt, wie früher, mit nacktem Oberkörper. Vor fünf Jahren hieß es, er sei 22, so stand es zumindest im stern . Heute sagt er, dass er 32 ist, und das ist die Wahrheit. Normalerweise dürfen Mitglieder einer Boyband nur 18 bis 23 Jahre alt sein. Wie alt sie genau sind, verrät selten einer - »um die Projektionen in alle Richtungen für die jungen Fans offen zu lassen«.

Robbie soff, nahm Drogen - für Ben ist er ein Held

Benjamin Boyce nähme man die 23 immer noch ab. »Ich war immer der ideale Typ für eine Boyband«, sagt er. Ist es ungerecht zu sagen: Du bist es noch, Ben? Wird man jemals deine Lieder hören und nicht an Caught in the Act denken? Dabei will Boyce ja nur seine eigene Musik machen, seine Texte singen, mit einer richtigen Band live auftreten - und nicht zum Halb-Playback von der Liebe säuseln. Musiker will er sein, »ohne Lügen, rein und ehrlich«.

Sein Exkollege Bastiaan Ragas versucht es ebenfalls allein. Der normale Wunsch eines jeden, der auf der Bühne erwachsen geworden ist. Die Bühne, das Studio, die Tourneen waren die Ausbildung von Caught in the Act. Eine andere hatten sie nicht, dafür war keine Zeit. Robbie Williams ist ihr Vorbild. Der hat es doch geschafft. Der war bei Take That, der wohl berühmtesten aller Boybands. Robbie Williams fiel nach der Trennung in ein Loch, soff, nahm Drogen, rappelte sich wieder auf. Siehst du, es geht. »Robbie ist ein Held für mich«, sagt Benjamin.

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