Zwölf Feinde sollt ihr sein

Das "Inselduell" ist "Big Brother" unter Palmen. Wer bewirbt sich für so eine Sendung?

Ich war gestern etwas länger weg", erklärt Alex, 26, seine schlechte Tagesform. Auch wenn er heute noch nicht zum Rasieren gekommen ist: Zum Casting ist der ehemalige Bundesgrenzschützer gegen Mittag trotzdem erschienen. Er sei Lebenskünstler, arbeite als Türsteher und bei der ADAC-Pannenhilfe. "Freundin und Hund fressen die restliche Zeit auf", vertraut er Fernsehmann Christoph Jumpelt im Scheinwerferlicht vor laufender Kamera an.

Der rotgesichtige Alex ist einer von 15 Bewerbern, die sich an diesem warmen Frühlingstag in einer trüben Seitenstraße des Münchner Hauptbahnhofs im Hotel Mercure einfinden. Sie alle wollen nur das eine: auf die Insel. Und ins Fernsehen, was in diesem Fall dasselbe ist. Der Familiensender Sat.1 setzt im Juni zwölf Kandidaten auf einem unbewohnten Eiland im Südchinesischen Meer aus. Dort, an der Ostküste Malaysias, werden sie sieben Wochen lang hausen wie die Schiffbrüchigen. Abwechslung bringen kleine Überlebensspiele mit Moderator Holger Speckhahn - etwa: Wie mache ich mich einem Frachter am Horizont bemerkbar? Insulaner um Insulaner wird von seinen Genossen weggemobbt. Wer am längsten bleibt, bekommt 250 000 Mark. Zu sehen ist die Extrem-Show Inselduell voraussichtlich ab Juli zur besten Sendezeit.

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Wer auf die Insel will, muss im Konferenzraum Hirschgarten vor dem 42-jährigen Producer Jumpelt von der Eyeland TV-Produktion eine Viertelstunde lang eine gute Figur machen. "Ich bin der Bürgermeister", sagt Jumpelt und will damit klarmachen, wer auf der Insel der Boss sein wird. Doch erst mal wählt er sich sein Volk, das er sieben Wochen lang mit Kamera und Schneidepult regieren will.

Gegenüber von Jumpelt nimmt Andi Platz. Er will Bazi auf den Arm nehmen, damit der auch ins Bild kommt - schließlich möchte er nicht ohne Dackel auf die Insel. Doch Bazi muss auf dem Teppich bleiben, wo er dem tropischen Redeguss seines Herrn zunächst andächtig lauscht, dann gelangweilt an den Schuhen des Producers schnuppert und schließlich einschläft. Jumpelt zeigt keine Gefühle. Er bedenkt jeden Kandidaten mit der gleichen Aufmerksamkeit und bedient dabei kaum merklich die Kamera. Erwartet er eine emotionale Reaktion - etwa bei seiner Frage nach dem einschneidendsten Erlebnis -, geht er groß aufs Gesicht. Wer hier schon langweilt, schwitzt und stammelt, sich als zu reizbar oder gar labil erweist, hat keine Chance.

"Damit das Leben nicht so dahinsandelt"

Vor Jumpelts Kamera erscheinen bescheidene Menschen und solche, deren Selbstbewusstsein zu forciert ist, um echt zu wirken. "Es findet sich keine Frau, die meiner wert ist", sagt der vierfach geschiedene Ulrich, 46. "Ich bin perfekt, ich bin die Beste", behauptet die Krankenkassenangestellte Monika. Auf die Insel will sie Tampons mitnehmen, "weil ich es nicht einsehe, Palmblätter zu rollen". Und auf die Frage, warum sie sich beworben habe, sagt Monika: "Weil ich einen Knall hab."

Als unabhängige Frau zwischen 20 und 30 gehört sie einer Gruppe an, in der Jumpelt große Auswahl hat. Viele der jungen Frauen haben Abitur. Männliche Interessenten zwischen 20 und 35 gibt es gar wie weißen Sand am Inselstrand. Das Gros, so Jumpelt, sind Leute, die in der Fabrik, auf dem Bau oder als Handwerker arbeiten. Auch eine Menge Selbstständige und Arbeitslose sind darunter. Insgesamt beträgt das Bewerberverhältnis zwischen Männern und Frauen etwa 60 zu 40. Sie alle hoffen, dass ihr Leben dank Fernsehen nicht einfach nur so "dahinsandelt", wie Muskelmann Michael seine Sorge formuliert: Wer hier ist, will etwas erleben, das er selbst nie inszenieren oder finanzieren könnte.

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