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Geht es nach der US-Justiz, so wird Microsoft in zwei streng getrennte Firmen zerlegt, die Betriebssysteme und Anwendungssoftware vertreiben. Härter wäre die Strafe freilich ausgefallen, hätte man Microsoft gezwungen, all seine Entwicklungswerkzeuge, die Programmiersprachen und Compiler zu verkaufen. So bleibt eine gemeinsame Basis, auf der die Microsoft-Babys ihre Produkte entwickeln können. Eine Kontrolle, ob Wettbewerbsvorteile durch geheime Programmierschnittstellen eingebaut werden, findet leider nicht statt.
Microsoft und der Kopiererspezialist Xerox gründen derweil gemeinsam die Firma ContentGuard, die weltweit das geistige Eigentum an digitalen Dateien sichern will. Nach ersten technischen Beschreibungen soll ContentGuard mit biometrischen Systemen funktionieren, etwa die Stimme des Lesers im "Buchdeckel" verstecken oder ein Abbild des Ohrläppchens in die Musikdatei integrieren. Unterdessen hat Microsoft ein anderes Problem mit seinem Eigentum: Auf den amerikanischen Web-Seiten des Auktionshauses eBay tauchten in den vergangenen Tagen zahlreiche Angebote für Windows 2000 auf. Verkäufer sind Angestellte von Microsoft, die "übrig gebliebene" Programme in größeren Stückzahlen absetzen.
Eine andere Armee hat siegreich die Küchen der westlichen Welt erobert. Tupperware-Verkäuferinnen sind mit ihren Verkaufspartys in jeden Winkel der Lagerhaltung im Haushalt vorgedrungen. Nun will Tupperware in großem Stil das World Wide Web erobern, natürlich nicht unter Aufgabe der Bodentruppen. Die Firma für Plastikboxen aller Art setzt nicht wie andere auf den Direktverkauf im Internet. Sie bietet ein Set von Programmen auf CD an, mit der Verkäuferinnen ihre Tupperware-Homepages konstruieren, gar virtuelle Tupper-Partys im Netz feiern können. Zunächst sollen die 75 000 US-Verkäuferinnen mit der Software beliefert werden. An der Übersetzung in alle Tupper-Sprachen werde fieberhaft gearbeitet, verkündet die Firma.
- Datum 04.05.2000 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 2000
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