Ohne Fleiß nur alter Preis

Zu wenig Privatkunden wechseln den Stromanbieter - das bremst den Wettbewerb

Die Summe klingt unglaublich. Fast sieben Milliarden Mark verschenken die Deutschen jährlich, haben die Strommakler von astromo.de errechnet - weil die meisten Haushalte beim alten Stromanbieter bleiben, statt den Lieferanten zu wechseln. Tatsächlich klagen nahezu alle neuen Wettbewerber über die mangelnde Wechselbereitschaft. Knapp zwei Jahre nach der Öffnung des deutschen Strommarktes schätzen Experten den Anteil der zu einem anderen Lieferanten gewechselten Haushalte auf gerade mal ein Prozent. Thorsten Schreiber verwundert das kaum. "Viele Verbraucher sind einfach verunsichert", sagt der Energieexperte bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) in Bonn, "der Wettbewerb stagniert."

Das Dilemma: Nur wenn Privathaushalte wechseln, entsteht auch für die etablierten Anbieter der Druck, die Preise zu senken - erst dann aber profitieren wirklich alle vom liberalisierten Strommarkt. "Bislang hat die Öffnung des Marktes fast ausschließlich den Großverbrauchern genutzt", sagt Verbraucherschützer Schreiber. Während große Abnehmer ihren Strompreis zum Teil bis um die Hälfte hätten drücken können, seien die Preise für private Haushalte "nur in sehr bescheidenem Maße" gesenkt worden.

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Hinzu kommt die Angst, bei einem Wechsel des Anbieters im Dunkeln zu sitzen. Immerhin jeder fünfte Haushalt, ermittelten die Marktforscher von Management Consult und Target Group, befürchtet von Stromausfällen heimgesucht zu werden, wenn er dem alten Lieferanten kündigt und der neue nicht liefern kann. Was viele nicht wissen: Der alte Versorger steht immer in der Pflicht - das Licht oder die Heizung können also gar nicht ausgehen. Auch müssen beim Wechsel des Anbieters keineswegs neue Stromleitungen zum Haus verlegt werden - das glauben aber fünf Prozent der Haushalte.

Was beim Lieferantenwechsel zu beachten ist

Wer den Lieferanten wechseln will, beachtet am besten ein paar Tipps, um Ärger zu vermeiden:

- Der Stromanbieter sollte einen festen Termin für den Beginn der Lieferung nennen. Wer nicht weiß, wann der günstigere Saft aus der Dose fließt, muss womöglich viel Zeit am Telelefon verbringen: Gerade bei kleineren Anbietern sind die Servicenummern oft überlastet.

- Am besten ist es, wenn der neue Lieferant gleich die Kündigung beim alten Versorger übernimmt. Die Unternehmen müssen ja ohnehin miteinander verhandeln, zum Beispiel über die genauen Lieferbedingungen. Also schickt man dem neuen Anbieter den unterschriebenen Vertrag und eine Kopie der letzten Stromrechnung. Vom alten Versorger kommt dann eine Endabrechnung.

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