Es flossen schon Tränen wegen des Themas. Angela Merkel war ob des Widerstandes ihrer Kabinettskollegen gegen halbwegs wirksame Anti-Sommersmog-Regeln dermaßen frustriert, dass sie ihre innere Regung nicht verbergen konnte. Das war 1995, es ging ums Ozongesetz, und die Tränen fehlen in kaum einem Porträt der zur CDU-Chefin avancierten Exumweltministerin. Nun kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung. Das von Kritikern als Placebogesetz verspottete Paragrafenwerk, auf das sich die Kohl-Regierung schließlich einigte, ist nämlich Ende vergangenen Jahres ungültig geworden - während die rot-grüne Regierung bisher die Einlösung ihres Versprechens schuldig geblieben ist, die Sommersmog-Verordnung zu novellieren. Das könnten demnächst immerhin rund zehn Millionen Menschen zu spüren bekommen. So hoch schätzen Experten die Zahl derer, die sensibel auf den Chemiecocktail in der Luft reagieren, der sich bei hoher Sonneneinstrahlung aus Autoabgasen und Lösemitteln bildet. Langfristig erledigt sich das Problem zwar von selber - unter anderem dadurch, dass sich der Anteil der Autos mit Kat erhöht und aus den Zapfsäulen besserer Kraftstoff fließt. Bis es in einigen Jahren so weit ist, helfen freilich nur Maßnahmen, auf die Kanzler Gerhard Schröder und sein Verkehrsminister Reinhard Klimmt bisher stets allergisch reagierten: frühzeitig großräumige Tempolimits, wenn sich in der Luft hohe Ozonwerte zusammenbrauen, für Autos ohne Kat gar temporäre Fahrverbote. Genau dafür machen sich bereits der Grünen-Umweltpolitiker Winfried Hermann sowie der SPD-Fraktionsvize Michael Müller stark. Irgendwie habe man ja schließlich "das Allgemeinwohl zu vertreten", sagt Müller. Mal sehen, ob Schröder das so ähnlich sieht. Er gehörte übrigens einst zu den Kritikern der laschen Paragrafen aus der Kohl-Ära.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service