BELLETRISTIK

Mia Couto: Unter dem Frangipani-Baum aus dem mosambikanischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner Alexander Fest Verlag, Berlin 2000 162 S., 32,- DM Ein Ort, so unwahrscheinlich wie eine Sinnestäuschung. Eine Festung hängt auf Klippen über dem Ozean, in ihren Mauern warten alte Menschen auf den Tod. Ein Mord ist geschehen, und weil unvorhergesehenes Sterben nicht hingenommen werden kann, werden die Alten vernommen: der Kindergreis, der alte Portugiese, die Magd. Mia Couto, einer der wichtigsten Erzähler Afrikas, leiht ihnen seine Stimme für Geschichten von Geistern und Wünschen, die alle Sinne benebeln. Der Frangipani-Baum hat kahle Äste, die er zum Himmel streckt, als bitte er um Blüten. Wenn diese schließlich wie Fäuste aufbrechen und duftende Blätter auf alle werfen, so wird noch lange nicht alles gut. So viel Realismus muss sein, selbst in einer Fata Morgana.

Ruth Kumpmann/Peter Ripken (Hrsg.): Perlen Afrikas. Das neue Afrikanissimo-Lesebuch Piper Verlag, München/Zürich 1999 174 S., 12,- DM Ein Land, zu groß für die Vorstellungskraft. Wo Steppen sich ohne Halten zu allen Seiten ausbreiten und der Himmel so hoch ist, dass man im Äther zu schwimmen meint, wo Menschen in ihren Tänzen ertrinken, "wo die Götter barfuß gehen", wie es in diesem Buch afrikanischer Geschichten heißt. Die 20 hier versammelten Erzähler führen ihre Leser nach Ghana, Simbabwe, Südafrika oder Mauritius, und Unerhörtes geschieht. Kleine Kinder werden verschleppt, junge Frauen verheiratet, die Männer sterben an einer wahnsinnig machenden Krankheit. Über allem liegt eine Ruhe. Die Bilder sind verstörend. Alles ist anders, offenbar selbst die Liebe.

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