Being John de Mol

Heiß fühlt er sich an, dieser Mittvierziger-Managerkörper, in dem niemand freiwillig herumhängen wollte, aufgedunsen und voll fettiger Energie.

Nur der Kopf ist kalt, eine glänzende Höhle, ich kann sie von innen betrachten: Das Hirn ist aus Eis, die Gedanken rinnen in Tropfen herab, um weiter unten zu verdampfen, irgendwo zwischen Bauch und Schwanz. Ich trete ein wenig zurück und sehe, wie sich die Windungen zu Buchstaben formen: John de Mol, TV-Produzent, Gott.

Es ist Nacht, wir rennen. Das heißt, John rennt. Er rennt nicht aus Furcht, das tun ehemalige Fußballer nie. Sie rennen, um schnell irgendwohin zu kommen, um als Erste am Ziel zu sein, wo dann der Kampf stattfindet. Aus dem Jackettärmel tropft Blut. Wir haben uns am Stacheldraht den Arm aufgerissen, vorhin, an der ersten Mauer. John merkt es nicht. Sein Kopf ist zu kalt, zu sehr mit Denken beschäftigt. Ich sehe seine Gedanken vor mir, ein paar sind lustig, die anderen machen mir Angst.

Die Tür ist nicht verschlossen, wozu auch? Ich spüre rohe Freude in Johns Brust, als er die Klinke drückt. Seit zwei Monaten hat er keinen Fuß hierher gesetzt, er durfte nicht. Und doch ist dies alles sein Werk, die Mauern, der Garten, das Haus. John will überall solche Häuser bauen, das sehe ich klar und deutlich. Er will den Menschen etwas schenken, was ihnen Leute wie er zuvor genommen haben. Bis wieder Leben einzieht in dieser Welt.

Das Wohnzimmer ist leer, auf den Sofas sind dunkle Flecken, Trümmer von Fernsehkameras liegen herum. Im Schlafzimmer finden wir fünf Leichen. Alex und Jürgen haben sich gegenseitig Messer in den Leib gerammt, vorher haben sie die anderen erlöst. Ihre Gesichter sehen ganz friedlich aus.

O ihr verdammten Scheißkerle!, schreit John. An der Wand steht: Wir wünschen eine fröhliche Leichenshow. Alex hat es mit seinem Blut geschrieben. Auf Johns versteinertes Gesicht zwängt sich ein Lächeln. Als hätte er gerade mal wieder eine große Idee.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 19/2000
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